Sonderseite Alexander Litvinenko
Alexander Litvinenko, deutsche Schreibweise auch oft gerne Litwinenko, war russischer Ex- Spions, lebte zuletzt in London, wo er auch verstarb. Er besaß die britische Staatsbürgerschaft, wurde als einer der bedeudenen Putin-Kritiker angesehen, recherchierte zuletzt im Fall der -von bis heute Unbekannten- ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja und fiel einer mysteriösen Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 zum Opfer. Auf seinem Sterbebett machte er den russischen Präsidenten Putin für seinen Tod verantwortlich. Während seiner letzten Tagen trat er dem islamischen Glauben bei. Litvinenko wurde am 7.12.2006 auf dem Friedhof Highgate im Norden der britischen Hauptstadt beerdigt. Dort liegen auch die sterblichen Überreste von Karl Marx (1818-1883).Ermittlungen
Die mit den Ermittlungen beauftragte englische Kriminalpolizei Scotland Yard geht mittlerweile davon aus, daß Mitarbeiter des KGB-Nachfolgedienstes FSB an dem Mord Litvinenkos beteiligt waren. Eine Verantwortung der russischen Regierung gelte jedoch als „eher unwahrscheinlich“.(1.12.2006). Es wird von "Schurkenkreisen" innhalb des FSB gesprochen. (1.12.2006) Der tschetschenische Exilpolitiker Ahmed Sakajew -ein Freund Litvinenkos- hat jedoch Russland während dessen beschuldigt, das radioaktive Polonium auf seine Tauglichkeit als Mordwaffe hin untersucht zu haben. Bei einem der Tests sollen auch Menschen -tscheschenischer Nationalität- ums Leben gekommen sein. (3.12.2006)
Gemäss dem "Guardian" richtet sich der Verdacht gegen eine Gruppe von mindestens fünf Russen, die zum Champions-League-Spiel Arsenal London gegen ZSKA Moskau am 1. November nach Grossbritannien kamen. (1.12.2006) Unterdessen wurde die Obduktion von Litvinenkos Leichnam abgeschlossen. Nach Informationen des "Guardian" enthielt der Körper eine 100-fach tödliche Polonium-Dosis. Auf dem Schwarzmarkt hätte die Menge rund 20 Millionen Pfund gekostet, umgerechnet fast 30 Millionen Euro. Offiziell soll das Obduktionsergebnis erst in einigen Tagen veröffentlicht werden.(Quelle) Ein britisches Ermittlerteam ist am Montagabend in Moskau eingetroffen und hat die russischen Behörden offiziell um Rechtshilfe gebeten. Die Moskauer Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, sie werde die neun britischen Beamten bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Polizisten wollen mehrere Russen befragen, die offiziell nur als Zeugen geführt werden. Dazu gehört insbesondere der Geschäftsmann und ehemalige Geheimdienstler Andrej Lugowoj, mit dem sich Litwinenko am Tag des Giftanschlags getroffen hatte. Bei dem Gespräch in einer Londoner Hotelbar am 1. November waren auch zwei andere Russen dabei. Alle drei bestreiten jede Verwicklung in einen Anschlag. In Moskau appellierten die Anwälte eines in Russland inhaftierten Ex-Spions an die britischen Behörden, ihren Mandanten in ihre Ermittlungen einzubeziehen. Der wegen Geheimnisverrats zu vier Jahren Haft verurteilte Michail Trepaschkin habe Litwinenko bereits vor einigen Jahren gewarnt, dass eine Todesschwadron des Kremls auf ihn angesetzt sei. Es sei wichtig, dass die britischen Beamten eine Gesprächsmöglichkeit mit Trepaschkin bekämen. «Sein Leben ist in Gefahr, und er kann jede Nacht an Asthma sterben», sagte seine Anwältin Jelena Lipzer. Im Gefängnis in Mittelrussland werde seine Krankheit nicht angemessen behandelt. Sollten die Behörden Trepaschkin den Kontakt mit den britischen Ermittlern verweigern, «würde das bedeuten, dass sie versuchen, etwas zu verheimlichen». (4.12.2006) Russische Strafanstalten weigerten sich auch, einer Befragung des inhaftierten Ex-Spions Michail Trepaschkin zuzustimmen. Ein Sprecher der Strafanstaltsbehörde erklärte einem Agenturbericht zufolge, Russland werde niemanden, der wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen inhaftiert ist, ein Treffen mit ausländischen Behördenvertretern erlauben. (5.12.2006) Die Ermittlungen der Londoner Polizei zum Mord an Litwinenko konzentrierten sich nach einem Bericht der BBC auf das Hotel Millenium in der britischen Hauptstadt. In einer Bar des Hotels traf der Ex-Agent am 1. November seine russischen Kontaktmänner Dimitri Kowtun und Andrej Lugowoi, kurz bevor er über die ersten Vergiftungserscheinungen klagte. In dieser Bar arbeiten sieben Angestellte – die allesamt durch Polonium 210 leicht verstrahlt worden sind, wie die britischen Gesundheitsbehörde gestern bestätigte. Auch Kontaktmann Kowtun ist nach russischen Angaben an radioaktiver Verstrahlung erkrankt, zwischenzeitlich hieß es sogar, er liege im Koma. Inzwischen glauben die britischen Ermittler zu wissen, wie der Mord vonstatten gegangen ist. Wie die Zeitung Times berichtet, vermuten die britischen Gesundheitsbehörden, dass Litwinenko mit einer kontaminierten Zigarette oder einem Getränk vergiftet wurde. Wer als Täter in Frage kommt, schreibt die Times zwar nicht, aber die bisherigen Erkenntnisse deuten vor allem auf einen Mann: Andrej Lugowoi. In seinem Flugzeug und seinem Londoner Hotelzimmer waren Spuren von Polonium 210 gefunden worden. Außerdem sagte er in einem Punkt offenbar die nicht die Wahrheit: Nach seinen Angaben war er am 25. Oktober von Moskau nach London geflogen. Wie die BBC nun unter Berufung auf Angaben eines Vertrauten des Geschäftsmannes berichtete, hielt sich Lugowoi bereits am 12. Oktober in London auf. Die britischen Ermittler bemühten sich seit ihrer Ankunft in Moskau darum, Lugowoi zu vernehmen – bislang ohne Erfolg. Mal bremsen die russischen Behörden, mal hieß es, Lugowoi befinde sich in einem Krankenhaus. Die Vernehmung wurde immer wieder verschoben. Zwischenzeitlich gab Lugowoi Interviews – und willigte stets in eine Befragung ein. Außerdem stellte der frühere KGB-Mann klar: Er habe nichts mit Litwinenkos Tod zu tun. Jemand habe versucht, ihn hereinzulegen. (08.12.2006)
Nebenschauplätze
Mario Scaramella traf sich mit Litvinenko in der Sushi-Bar, bevor dann Litvinenko aufgrund der Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Bei Scaramella wurde ebenfalls das Gift Polonium festgestellt. Bei diesem Treffen aß Litvinenko Fisch, Scaramella trank angeblich nur Wasser. Wie das Gift trotzdem in seinen Körper gelangen konnte, ist rätselhaft. (Quelle) Scaramella befand sich bis zum 6.12.2006 ebenfalls im Krankenhaus (dem gleichen wie auch Litvinenko), über den Umfang der Verstrahlung Scaramellas herrscht in der Öffentlichkeit Unklarheit. Die Zeitung "Daily Telegraph" druckte Auszüge aus einem Dokument, das Scaramella Litvinenko bei ihrem Treffen übergeben haben soll. Darin ist von einer Todesliste des russischen Auslandsgeheimdienstes (SVR) die Rede: Russische Geheimdienstagenten und eine Veteranen-Gruppe namens "Würde und Ehre" seien auf "Russlands Feind Nummer 1" Beresowski und seinen "Waffenbruder" Litvinenko angesetzt. Die Veteranengruppe soll auch für den Tod der russischen Journalistin Anna Politowskaja verantwortlich sein, die im Oktober vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen worden war. Scaramella äußerte sich über italienische Medien, er habe Grund anzunehmen, dass seine Vergiftung und die von Litvinenko möglicherweise im Zusammenhang mit der Weitergabe von Informationen an ihn durch den toten Ex-Spion stehen. (2.12.2006) Kurz vor seinem Tod soll Alexander Litwinenko den Verdacht geäußert haben, möglicherweise habe ihm Mario Scaramella die fatale Strahlenladung verabreicht. Schließlich sei er es gewesen, mit dem er sich am 1. November in jener Londoner Sushi-Bar am Piccadilly Circus getroffen habe. Scaramella sei «nervös gewesen», habe «das Essen nicht einmal angerührt». Lediglich ein Glas Wasser habe der Italiener getrunken. Wenige Stunden nach dem Treffen war Litwinenko erkrankt. (2.12.2006)
Verbindungen zur Yukos-Affäre: Auch die USA haben sich mittlerweile in die Ermittlungen um den Tod Litvinenkos eingeschaltet. Nach Presseberichten befragten Beamte der US-Bundespolizei FBI gemeinsam mit britischen Polizisten den früheren KGB-Agenten Juri Schwets in Washington. Schwets habe eigenen Angaben zufolge Informationen über die Ereignisse um Litwinenko, berichtete «The Observer». Er habe den Beamten ein Dokument aus Litwinenkos Besitz gegeben, in dem Enthüllungen über die Zerschlagung des russischen Ölkonzerns Yukos durch Moskau enthalten seien, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen Geschäftspartner von Schwets. Schwets habe Kontakt zu dem im Londoner Exil lebenden russischen Oligarchen und Putin-Gegner Boris Beresowski gehabt, der Litwinenko gut kannte. (3.12.2006) Der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski sitzt derzeit eine neunjährige Haftstrafe ab. Der prominente Regierungsgegner wirft der russischen Regierung politische Motive für die Zerschlagung des Unternehmens vor. (3.12.2006)
Boris Abramowitsch Beresowski: Auch der -ebenfalls in englischen Asyl lebende- Russe wird im Mordfall Litvinenko verdächtigt. In den Büroräumen des Industriellen im Londoner Edelviertel Mayfair wurden Spuren des Elements Polonium 210 gefunden, das für den Tod von Litvinenko verantwortlich war. Ihm wird vorgeworfen, er brauche ein Bedrohungsszenario, damit sein "politisches" Asyl, das stets auf der Kippe stehe, gerechtfertigt bleibe. Er hat sowohl Litwinenko finanziell unterstützt wie auch (seit Jahren) den antirussischen Agitator Aleksandr Goldfarb, der als angeblicher "Freund" Litwinenkos nach dessen Tod als erster die russische Regierung für den Tod des Ex-Spions verantwortlich machte. Inzwischen ermittelt Scotland Yard auch gegen den Beresowski-Clan, den die englischen Medien jetzt griffig "Londongrad" nennen. Laut neuen Erkenntnissen von Scotland Yard hat Beresowski auch Verbindungen zum italienischen Geheimdienst-Experten Mario Scaramella.
Spekulationen um das Motiv der Tat: In der britischen Sonntagspresse wurde weiter über mutmaßliche Täter und Motive spekuliert. Der "Observer" berichtete unter Berufung auf eine russische Studentin, dass Litwinenko im Besitz von Geheimdienstdokumenten war, mit denen er andere erpressen wollte. Die Liste habe von reichen russischen Geschäftsleuten über korrupte Beamte bis hin zu "Quellen im Kreml" gereicht. Die "Sunday Times" lenkte den Verdacht vor allem auf drei Russen, die Litwinenko ebenfalls am 1. November getroffen hatte. (3.12.2006)
GeistesWelt-Blog-Beiträge zu diesem Thema
(19.11.2006) Putins unbedeutende Kritiker
(21.11.2006) Gute Besserung für Alexander Litvinenko
(24.11.2006) Livinenko ist tot
(01.12.2006) Seltsam aber so steht es geschrieben
Andere wertvolle Quellen
Alexanders Litvinenkos Abschiedsbrief im Wortlaut




