GeistesWelt

July 9, 2007

Darf jetzt doch Tom Cruise in Deutschland einen Hitlerattentäter spielen?

Darf man einem Filmdreh (”Valkyrie”) zu einer historischen Gegebenheit (hier Hitler-Attentat am 20.Juli) die Drehgenehmigung an historischen Plätzen verweigern, nur weil einer der Hauptdarsteller Tom Cruise ist? - Sicher wenn man argumentiert, dass Tom Cruise einer der schlechtesten Schauspieler der Zeit ist (ist z.B. meine Meinung über ihn) und man wegen Dreharbeiten zu einem B-Movie nicht gewillt ist die erforderlichen Drehgenehmigungen zu erteilen -Punkt- Das wäre ein nachzuvollziehender Standpunkt, sich aber zu zieren, weil Herr Cruise Mitglied einer Science-Fiktion-Sekte ist wertet zum einen diese Sekte auf, zum anderen stärkt es Gegenargumentationen, wie wir sie jetzt hier finden. Und das Ende vom Lied hört sich so an:

als das traditionsreiche Studio Babelsberg nach wochenlangem Hin und Her die Unterzeichnung der Koproduktionsverträge verkündete. Drehstart für „Valkyrie“ ist nun am 19. Juli. Obendrauf wird der Streifen noch mit 4,8 Millionen Euro aus dem neuen Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gefördert. Die staatliche Filmförderung habe damit wohl ein „Friedensangebot“ gemacht, frotzelt das amerikanische Magazin „Time“. Die deutsche Regierung mag Scientology verabscheuen, aber sie hasst auch transatlantische Spannungen, schrieb das Blatt weiter.

Letztlich scheint die deutsche Regierung nicht zu wissen, was sie will und dieses versucht sie leider -wie so oft- gewissenhaft-zwanghaft durchzusetzen. Klüger wäre es beim Nein mit obiger Argumentation zu bleiben oder einfach nichts zu sagen und die 4,8 Millionen Filmförderung zu sparen. Aber mit Bauernschläue kann man heutzutage wahrscheinlich kein öffentliches Amt ausüben…

February 6, 2007

Nachlese im Fall Ermyas M.

Letzten Sommer kam es in Potsdam zwischen Betrunkenen zu einer Schlägerei, einer von ihnen Ermyas M. erlitt eine lebensbedrohliche Schädelverletzung und lang lange Zeit im Koma. Nach seiner Genesung konnte er sich nicht mehr an den Tathergang erinnern, ebenso die beiden anderen an der Schlägerei beteiligten sind -im nüchternen Zustand- nicht mehr in der Lage genaueres zu dem Fall zu schildern.

Hier in der FAZ gibt es noch einen schönen Nachbericht zu diesem Thema. Das Schöne an Nachberichten ist, dass sie ausgewogener sind als Schlagzeilenartikel.

Vielleicht ein wenig resigniert meint die FAZ gegen Ende lapidar: Es ist also möglich, dass am Ende der Verhandlungen von einem bloßen Streit zwischen Betrunkenen gesprochen werden wird, da die drei Beteiligten alkoholisiert gewesen sein sollen.

Damals griff der damalige Generalbundesanwalt Nehm in die Ermittlungen ein, dazu die FAZ: Der Generalbundesanwalt soll immer dann aktiv werden, wenn ein Delikt die innere oder die äußere Sicherheit der Bundesrepublik in besonderem Maße berühren könnte. Als am 20. April 2006 die beiden mutmaßlichen Täter wegen des Verdachts des versuchten Mordes festgenommen wurden, führte Nehm „erhebliche Verdachtsmomente“ an, die für Ausländerhass als Tatmotiv sprachen.

Heute scheint es so, dass zumindest beim Hauptverdächtigen einige [sic!] Anhaltspunkte für eine ausländerfeindlichen Gesinnung [vorliegen sollen]. So stellte die Polizei in seinem Auto CDs mit rechtsextremer Musik sicher.

Alles in allem ein ernüchterner Ausgang des Falles. Kein ernstzunehmener rechtsextremer Hintergrund, alle waren vollkommen besoffen und die damalige Hysterie in den Medien und der verantwortlichen Justiz nüchtern ausgedrückt: unverhältnismäßig.

Vielleicht sollte man Konsequenzen aus dem Fall ziehen und in Zukunft die Ermittlungen weitgehend unter Ausschluß der Öffentlichkeit und vor allem der Presse zuende führen? Die emotional aufgeblasenen Einzelschicksale mit “gesellschaftlicher Symbolik”, die häufen sich in letzter Zeit. Aber was bleibt am Ende? Heiße Luft und unglaubwürdige Strafverfolgungsorgane… that’s all!

November 13, 2006

Gunther von Hagens nekrophiler Erlebnispark


Plastinator Gunther von Hagens vor seiner Leichenteilkonservierungsfabrik

Guben ein verschlafenes Örtchen in Brandenburg/Ostdeutschland, gebeutelt von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Depression hat einen Lichtblick! Der Leichenteilkonservierer von Hagens errichtet dort in einem ca 3000 qm großen alten Fabrikgelände eine Plastinationsfabrik -das sogenannte Plastinarium.

In der Werkstatt kann man mitverfolgen, wie sogenannte Körperscheiben herstellt werden, also senkrechte oder waagerechte Schnitte durch Mensch und Tier. ,,Die menschlichen Körperscheiben werden nur Universitäten und Instituten für Forschungs- und Lehrzwecke angeboten, die Tierscheiben kann sich jeder ins Wohnzimmer hängen‘‘, sagt Hagens.

Außer der gewerblichen Haltbarmachung von toten Körpern, soll von Hagens’ Fabrik auch dem Tourismus in dieser Region ein Ziel bieten.

Im zweiten Stock des Gebäudes kann er sich etwa eine Jugendherberge vorstellen und bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände kommt ihm ein Erlebnispark in den Sinn: zum Beispiel eine nachgestellte Piratenszene mit Skeletten und präparierten Leichen, oder Ponys, auf denen plastinierte Menschen reiten.

Von Hagens’ Fabrik bietet der Region ernorme wirtschaftliche Chancen, bis zu 200 Jobs sollen durch die Fabrik, die 80 Leichen im Jahr verarbeiten soll, geschaffen werden. Aber auch für die anderen Arbeitslosen der Stadt ergäben sich neue Perspektiven, der Gubener Pfarrer Michael Domke weiß bereits von zwei Gubenern, die zur Körperspende bereit sind. (=>Hintergrund)

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