GeistesWelt

February 8, 2008

Türkisch zweierlei Maß!

Zur Zeit werden in türkischen Massenmedien Räuberpistolen a la “Deutsche brennen Türkenhaus nieder” - man muß schon sagen - zelebriert. Kommentieren möchte ich das nicht, könnte ich wahrscheinlich nur mit wenigen Schimpfworten. Aber eines fällt auf:

Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker erinnerte unter anderem an die Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink am 19. Januar 2007 in Istanbul und der drei Christen Tilmann Geske, Necati Aydin und Ugur Yuksel am 18. April 2007 in Malatya. Weder Erdogan noch ein anderer hochrangiger Regierungspolitiker seien an den Tatorten erschienen, um ihrer Bestürzung Ausdruck zu geben.

Schlimmer noch weder der “Führer der Türkei” zeigte Interesse an den unglaublichen Verbrechen in der Türkei, sondern auch die dortige Justiz. Das Magazin “factum” resümiert den Stand des Verfahrens in Malatya, bei dem es auch um einen bestialischen Mord an dem Deutschen Tilmann Geske geht folgendermaßen: Die Hintermänner der Bluttat werden gedeckt, das Gericht verschleppt die Ermittlungen. Die Opfer und ihr Umfeld werden kriminalisiert.

Von deutscher Seite kein Aufschrei, kein Protest! Wobei doch die Steinmeiers dieser Republik sonst immer so viel zu sagen haben? Man verteidigt sich kleinlaut dafür, ob es wirklich viel zu spät sein könnte, wenn die Feuerwehr nach 2 Minuten “erst” am Brandort gewesen wäre. Man zeigt sich ungerührt, wenn Deutsche als Ganzes in der Türkei wegen eines ungeklärten Feuers verhöhnt und beleidigt werden.

Die ganze psychologische Dramaturgie der vielen deutschfeindlichen Übergriffe türkischer Jugendlicher, die tagtäglich passieren, läuft auch hier auf staatlicher Ebene ab. Man kann die Türkei auf “Ehre und Respekt” reduzieren, ohne diesen Begriffen inhaltlich viel zuordnen zu können. Das “Hast du’n Problem?” kann man deshalb nicht beantworten, weil es diesem Begriffspaar zuwiderlaufen und dies das “Problem” nur verschärfen würde.

November 21, 2007

Metzger hat fertig!

Filed under: Baden-Württemberg

Der Grünen-Politiker Oswald Metzger hat genug von seinen Parteikollegen! Es sprach seinen Frust in wie folgt von der Seele: viele Sozialhilfe-Empfänger sähen “ihren Lebenssinn darin, Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen”

Es folgte eine Breitseite seiner Parteifreunde, zusammenfassend dafür belehrte ihn Betroffenheitsexpertin Roth er “sollte sich wirklich schämen”. Er denkt aber gar nicht ans Schämen und legt noch einmal nach: “Ich bleibe bei meinen Äußerungen, aber das ist keinesfalls ein Pauschalurteil. Bei manchen Sozialhilfe-Empfängern in der zweiten oder dritten Generation gibt es eine Antriebsarmut von klein an.”

Hintergrund ist wahrscheinlich ein kommender Beschluß der Grünen zu dem so genannten bedingungslosen Grundeinkommen, das Metzger für Augenwischerrei hält: “Diese Ideen klingen toll und erfreuen alle Gutmenschen, insbesondere auf Grünen-Parteitagen. Doch wir gaukeln hier vor, dass ein Einkommen für alle ohne Gegenleistung möglich wäre.” Für die Realpolitik seiner Partei bedeute der Beschluss zum Grundeinkommen eine Rolle rückwärts. Mit einer solchen Positionierung schlüpften die Grünen in die Rolle der Linkspartei. Auch Oskar Lafontaine verspreche das Blaue vom Himmel.

Metzger, einziges Mitglied der Normalo-Fraktion der Grünen, überlegt sich jetzt seinen Ausstieg aus der Partei. Laut PI gibt es aber schon aussichtsreicheren Politnachwuchs, der besser konzeptionell zu den Grünen paßt… Vielleicht bloggt jetzt Metzger wieder mehr? Das wäre wieder wirklich eine Bereicherung!

July 16, 2007

Terror in Ulm: „Hast du zwei Stunden Zeit, dann alle tot”

In Ulm ging eine Bombendrohung gegen das dortige Bundeswehrkrankenhaus bei einer Redaktion einer Ulmer Lokalzeitung ein. Ein Mann mit stark ausländischen Dialekt meinte am Telefon „Hast du zwei Stunden Zeit, dann alle tot”. Das Krankenhaus wurde daraufhin evakuiert und nach möglichen Bomben durchsucht. Erst als es als sicher galt, dass dies eine leere Drohung des ausländischen Drohanrufers war, wurden alle Patienten wieder in das Krankenhaus rückverlegt und der Klinikbetrieb konnte weitergehen. Gerdezu charakteristisch für diesen Vorgang ist, dass meine Primärquelle “Welt Online” vor 3 Stunden noch von einem “ausländischen Dialekt” des Anrufers berichtete, was nun in der Abendversion des Artikels gestrichen worden ist. Soviel zu der Faktenverliebtheit dieser Onlineseite, die ab heute aus meinem Newsreader verschwunden ist (siehe Vorberichte in diesem Blog über die immer unseriöser wirkende Berichterstattung auf dieser Seite).

Warum ich diesen Vorfall erwähne liegt an dem Ort des Geschehens: Ulm. Ich erinnere mich an das berüchtigte “Multi-Kulti-Haus”, was eine Terrorkaderschmiede der Islamisten war und daran, dass auch ein gewisser El Masris dort sein Unwesen trieb, dem von offizieller Seite eine Verbindung zu Islamisten nicht angelastet wird, -über genau den aber der Journalist Jürgen Roth in seinem aktuellen Buch “Anklage unerwünscht” eben diese Verbindungen des Herrn El Masris nochmals unterstrich. Jetzt dieser ominöse Anruf des Mannes mit dem “ausländischen Akzent” läßt Vermutungen plausibel werden. Was ist, wenn dort in Ulm noch eine Terrorzelle existiert, El Masris und Co, Streiter einer militant friedfertigen Religion terrorisieren die Stadt mit Brandanschlägen und anonymen Drohanrufen? Die Presse schaut beflissen weg und der tolle deutsche Überwachungsstaat versagt auf ganzer Linie? Auf solche Gedanken kommt keiner von den Geldschreiberlingen, geschweige denn den politisch Verantwortlichen.

Pax Europa, erster Landerverband im Südwesten gegründet



Der erste Landesverband von der islamkritischen Bürgerbewegung “Pax Europa” wurde jetzt in Baden-Württemberg gegründet. “Pax Europa” versteht sich als Vororganisation zur Gründung einer bürgernahen Partei.

zur offiziellen Seite von “Pax Europa” und dem Anmeldeformular zum Mitmachen.

Warum eine islamkritische Bürgerbewegung sinnvoll ist? Hier gibt es Hintergründe zum Einarbeiten in die Thematik:

Dosier des Verfassungsschutzes Thueringen über Islamisten und deren breite Unterstützung durch Kirchen und andere. (PDF-Datei)
deutsche Übersetzungen einer Zusammenfassung von “Eurabia” von Bat Ye’or.

June 15, 2007

58. FDP Bundesparteitag: Die Rede


Die Freiheitsstatue dieser Republik

Traditionell die Rede des Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle zum 58. Ordentlichen Bundesparteitages in Stuttgart als MP3-Datei zum Download:
mp3-Download

May 2, 2007

Filbinger - Müßen Gegner der Nazis immer Helden gewesen sein?

Vielleicht neigen demokratische Gesellschaften in denen das Primat der Mehrheit und nicht der Klasse herrscht dazu nur durch Polarisierungen Wahrnehmungsmuster zu bahnen und damit zu einer normierten Meinung zu kommen, die in Endphasen solcher Gesellschaften die klassische Regelung mittels Gesetze und althergebrachter Ordnung ablöst und man bei einer Diktatur der Masse angekommen ist?

Konkreter gesagt wurde gesagt, dass der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württenberg Hans Filbinger ein “Gegner der Nazis” gewesen sei. Hans Filbinger wurde in den 70′er Jahren durch eine von der Staatssicherheit der DDR und linken Intellektuellen initierten Medienkampagne aus den Amt gedrängt. In der jetzt aufgewärmten Diskussion wurde vor allem an der Formulierung “Gegner der Nazis” Anstoß genommen. Diese Formulierung würde Filbinger in die Reihen gesellschaftlich anerkannter und oft idealisierter Widerstandskämpfer wie z.B. denen der “weißen Rose” stellen und diese würden dadurch in irgendeiner Form “entwertet” werden.

Schaut man sich Aussagen von Filbingers Zeitzeugen an, so wird schnell klar, dass solche Argumentationen Schutzbehauptungen sind, die einmal einen politischen begründeten Rufmord an einem konservativen Politiker verdecken, zum anderen drückt sich dadurch eine Unfähigkeit zur differenzierten Betrachtung aus: Schwarz/Weiß, Plus/Minus, Gut/Böse sind Polaritäten die in der Mathematik sinnvoll und mit Inhalt belegt sind. In ihrer gesellschaftlichen Anwendung verdecken oder verzerren sie jedoch Inhalt und gehen häufig im Rahmen einer Ideologie einher. Letztere wurde Filbinger nicht in der Nazizeit, sondern zu Zeiten der Bundesrepublik zum Verhängnis. Es ist und war in diesen Zeiten nämlich nur wenigen erlaubt zu definieren, wer Nazi und wer nicht Nazi ist. Diese Deutungshoheit ist Machtmittel, welches nicht aus der Hand gegeben wird, auch oder gerade weil es Tatsache ist (wäre in vernünftigen Diskussionen), dass wenn alle Deutschen wie Filbinger gewesen wären es kein 3.Reich gegeben hätte.

Gerade wenn man in der Causa Filbinger -wie ich- einen Pro-Filbinger-Standpunkt einnimmt kommt man an Kommentaren von ideologisch verhetzten Zeitgenossen nicht umher, so dass es mir deswegen als eine lustvolle Pflicht erscheint einen ausgezeichneten Artikel von Rolf Ehlers auf “Readers Edition” wiederzugeben, der einem das gibt, was in dieser Diskussion oft absichtich nicht gegeben wird: Objektivität! Vor einem Gericht hätte jeder Mensch ein Grundrecht auf eine solche, das ist ein Menschenrecht. In unserer realexistierenden Mediendemokratie, die ihre Bürger im wahrsten Sinne des Worte “unmündig” macht, indem sie ihnen ein Denken nur noch in Schlagwörtern und Polaritäten erlaubt -oder es zu lassen- ist dies jedoch nicht mehr gegeben.

Die historische Wahrheit: Der botmäßige Militärrichter Filbinger war doch (auch) ein Gegner des Hitlerregimes

von Rolf Ehlers

Der katholische Theologieprofessor und Publizist Karl Färber, der dem bekannten Färber- Kreis seinen Namen gab, gab am 19.7.1946 im Entnazifizierungsverfahren gegen Filbinger zu Protokoll:

“Hans Filbinger kam etwa im Jahre 1938 in unseren engeren Freundeskreis, der sich regelmäßig und häufig in unserem Hause traf. Grundsätzliche Gegnerschaft gegen das herrschende Hitlerregime war dabei selbstverständliche Voraussetzung. Alle Freunde waren ausgesprochen gläubige Christen. In dieser selbstverständlichen Gegnerschaft bewegte sich, sprach und beteiligte sich auch Hans Filbinger stets und ohne Ausnahme am Gespräch und am Urteil.” (zitiert nach: Hugo Ott, “Hans Filbinger - Der ‘Fall’ und die Fakten”, 1980, S.30).

Karl Färber wurde nach dem 20. Juli 1944 verhaftet. Der Färber-Kreis ist einer der als Freiburger Kreise bezeichneten Widerstandskreise. Er unterhielt Kontakte zu anderen Widerstandskreisen wie dem Kreisauer Kreis und dem Kreis um den Wirtschaftsliberalen Professor Oncken.

Bei Ott lässt sich auch nachlesen, was der gleichfalls dem Färber-Kreis angehörende Philosoph Professor Max Müller einen Tag vor Färber im selben Entnazifizierungsverfahren wörtlich erklärt hatte:

“An den jährlichen Fronleichnamsprozessionen in Freiburg nahm er (Filbinger) regelmäßig teil, obwohl die Teilnehmer von NSDStB [= Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund] photographiert und wenn möglich zur Rechenschaft gezogen wurden. (…) Er hat immer eindeutig erklärt, dass unter dem damals herrschenden Regime für ihn der Staatsdienst nicht in Frage käme, sondern er hier einen freien Beruf suchen müsse. Sein Bekanntenkreis setzte sich durchweg aus Nichtnationalsozialisten zusammen, worunter ich nur den bekannten Schriftsteller Reinhold Schneider nennen möchte, dem er sehr nahe stand. Seine Zugehörigkeit zur Studenten-SA habe ich immer als rein formale Notwendigkeit aufgefaßt, ohne die ihm ein weiteres Studium ja nicht möglich gewesen wäre. Von irgendeiner inneren Verbindung damit oder einer Hinneigung kann in gar keiner Hinsicht geredet werden.” (Zitiert nach Hugo Ott, S. 30f)

Max Müller gehörte ebenfalls dem Freiburger Kreis an; ihm wurde nach seiner Habilitation im Jahre 1938 die Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit an der Uni Freiburg verboten; er war verstrickt in den Aufstand der “Weißen Rose“, der u.a. 1943 zur Verhaftung und Verurteilung der Geschwister Scholl führte (Ott, S. 31).

Der Soldat Filbinger schrieb mit Feldpost vom 9.12.1941 an Reinhold Schneider:

“Ich werde eine Zeit brauchen, bis ich mich ganz von Freiburg abgelöst habe. Die Tage waren so schön u. reich gewesen, das danke ich Ihnen u. den Freunden im Kreis. In meiner Mappe trage ich „Das Vaterunser“ mit. Das wird mich jetzt oft begleiten in meiner dienstfreien Zeit. Ich bin so froh darüber, haben Sie hierfür meinen besonderen Dank.” (Feldpostbrief Filbingers vom 9.12.41 an Reinhold Schneider. Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Abgebildet bei Filbinger, 3. Auflage, S. 269).

Dieses Vaterunser, das in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren heimlich an die Front kam, enthält eine kaum verschlüsselte Kritik am damaligen System. Es erschien im “Alsatia Verlag Kolmar im Elsaß” (ohne Jahresangabe), muss also nach der Besetzung des Elsass 1940 erschienen sein. Der Text:

„Vater unser, der Du bist im Himmel, Dein Wesen verändert sich nicht. Hier unten aber verwandelt sich alles; geliebte Vermächtnisse vergangener Zeiten werden zerstört über Nacht, die Freunde werden uns entrissen, und unversehens bricht in das letzte Tal des Friedens grenzenlose Verwirrung herein. Die Mächte der Tiefe erheben sich gegen uns und nehmen fast alle Bezirke des Lebens in Besitz; Trugbilder der Wahrheit, des Rechtes schweifen umher und ziehen uns vom Rechte und von der Wahrheit fort; Haß verfälscht das Wesen des Menschen; keiner erkennt mehr Dein Spiegelbild in der Seele des anderen, und so versteht auch keiner das Wort des Bruders mehr. Die Erde meint, sich gegen den Himmel zu erheben und ihre eigene Ordnung schaffen zu können; so werden die Beziehungen zwischen allen Wesen und Dingen verrückt; es ist keine Kraft mehr da, die sie von oben trägt. Und die Dinge der Erde suchen sich an sich selbst zu befestigen und stürzen immer tiefer. (…) Die Welt ist uns fremd geworden. Aber wir sind Deine Kinder in dieser fremden Welt und wollen uns als solche bewähren. Alles andere steht bei Dir.“

Reinhold Schneider ist die prominenteste Persönlichkeit aus dem Freiburger Kreis und hat als antifaschistischer Dichter internationales Ansehen. Ihm schreibt Filbinger am 15.11.1942, offenbar nach einem Heimaturlaub, erneut von der Front:

“Ihr neuestes Büchlein ‘Der Kreuzweg’ wurde mir am letzten Tag nach Freiburg geschickt. Ich hab’s mitgenommen; hier wird es mich mit Ihnen verbinden und mit der Tiefe jener Welt, in der wir leben wollen. Unser prächtiger Freiburger Kreis, ich bin jetzt doppelt dankbar, wo sich draußen so viel Dräuendes abzeichnet.” (Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Zitiert bei Hugo Ott, S. 31 nach: Reinold Schneider - Leben und Werk in Dokumenten, Olten - Freiburg 1969, S. 137)

Gegen Reinhold Schneider erfolgte 1943 beim Reichssicherheitshauptamt Anklage wegen “Defaitismus” und noch im April 1945 Anklage wegen Hochverrat bei der Gestapo. Zum Hochverratsprozess gegen Reinhold Schneider kam es allein aus Zeitgründen wegen des Kriegsendes nicht mehr.

Fazit

Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Filbinger im Widerstandskreis um Färber, Schneider, Müller und anderen verkehrte und sich dort als grundsätzlicher Gegner des Nationalsozialismus ausgab. Man kann natürlich die Ernsthaftigkeit seiner Auftritte in diesem Kreise in Zweifel ziehen. Denn er war immerhin eingetragenes Mitglied von Parteiorganisationen und verrichtete ganz ohne Murren gegen die Oberen seine hässliche Arbeit als Militärrichter ganz nach Anweisung des Kriegsherren. Jemand, der die Zwänge kennt, in die das System damals viele Bürger brachte, wird solche Zweifel aber nicht haben. Soll er sich etwa als Agent des Regimes in Widerstandskreise eingeschlichen haben? Das ist nachgerade abwegig. Viele haben sich damals verstellt. Allein plausibel ist, dass Filbinger nicht aus der großen Zahl derjenigen herausragte, die ihre innere Ablehnung gegen vieles, was an Untaten ruchbar geworden war, hintanstellten und im System “ihre Pflicht taten.”

Immerhin vergrub Filbinger seine Ablehnung des Hitlerregimes nicht ganz in seinem Inneren, sondern diskutierte im Kreise anderer Abtrünniger darüber, die ungleich zu ihm auch Verbindungen zu weiteren Widerstandsgruppen suchten. Genau darauf hinzuweisen kam es Oettinger bei seiner Trauerrede für Filbinger an. Und genau davon musste er vor Frau Merkel bei seinem Canossagang nach Berlin abschwören. Sie wusste es keineswegs besser, wusste aber nach dem allseitigen Geschrei auf die Trauerrede für Hans Filbinger, dass es sich für unser Land einfach nicht ziemt, den Beitrag Deutscher im Krieg und gegenüber dem Hitlerregime differenziert zu betrachten. 60 Jahre nach dem Verlust des Zweiten Weltkrieges steht Deutschland noch immer unter “Bewährungsaufsicht” der Siegermächte und ihrer engsten Vertrauten. Dabei hatte Oettinger immerhin hervorgehoben, dass Filbinger trotz seiner Gegnerschaft ein gehorsamer Mitläufer und Mittäter war und seine ihm auferlegte Pflicht als Militärrichter bis hin zur Verkündung und (in einem Falle) der Vollstreckung von Todesurteilen ohne offenen Widerspruch erfüllt hatte. Auch Max Müller nahm ihm ab, dass er ohne innere Überzeugung in die Studenten-SA und die NSdAP eingetreten war, um seine Karrierechancen wahrnehmen zu können. Dass sein Wirken möglicherweise nicht nachweislich ein Leben mehr gekostet haben mag als ohnehin vernichtet wurde, lohnt nicht der Erwähnung. Ob Filbinger ein “fürchterlicher Richter” war, wie Hochhuth und viele in seinem Gefolge damals meinten, kann dahinstehen. Er diente als Richter bis zu Todesurteilen hin widerspruchslos einem schrecklichen System. Das hätte allemal reichen sollen, um ihm ein solch prominentes Amt wie das des Ministerpräsidenten eines Landes der Bundesrepublik Deutschland zu verwehren. Daher muss man Filbinger nicht loben, dass er die Laxheit gegenüber Belasteten aus der Nazi-Zeit, die in der Adenauer-Zeit auf der Tagesordnung stand, genutzt hat und trotz des Makels in seiner Vita eines der höchsten Ämter in unserer Republik anstrebte.

Nur ist es erbärmlich, dass in der öffentlichen Diskussion nicht die ganze historische Wahrheit gesagt werden darf, nämlich dass sich der nach außen botmäßige Militärrichter Filbinger lange Jahre bis zum Kriegsende hin in Widerstandskreisen bewegt hatte, in denen man seine gegenüber den Mächtigen verheimlichte innere Gegnerschaft gegen das Hitlerregime sehr wohl kannte und ihm auch abnahm. Ganz ohne Risiko waren auch diese Aktivitäten gewiss nicht. Hätte der Krieg länger gedauert und wäre das Hochverratsverfahren gegen Schneider voll betrieben worden, wäre die Gestapo auch auf seinen treuen Anhänger Filbinger gestoßen und dieser wäre zusammen mit Schneider als Widerständler erschossen worden.

Aber: Einem Mann, der noch in den letzten Kriegstagen keinen Weg fand, sich der Mitwirkung an Todesurteilen wegen “Wehrkraftzersetzung” und Fahnenflucht zu entziehen, darf man nachträglich wegen seiner verborgenen Kritik am System keine Denkmäler setzen. Dort wo er in der Politik nach dem Kriege stand, hätte er nie hin gehört. Nur der kann vom Saulus zum gefeierten Paulus werden, der offen abschwört und umlenkt. Reaktionen wie die von Frau Merkel auf die nicht in jeder Hinsicht ausgewogene Rede Oettingers sind aber weit schädlicher als die Rede selbst. Die Kanzlerin hätte sich besser über die historischen Fakten informieren lassen und dann das vertrauliche Gespräch mit dem Kollegen auf der Länderebene suchen sollen, als mit brachialer Gewalt wieder die Linientreue herzustellen. Die fehlende Aufarbeitung der historischen Fakten, die undifferenzierte pauschale Verurteilung von Filbinger und die Hetzjagd auf Filbinger nach seiner Trauerrede hinterlässt auch außerhalb Baden-Württembergs ein unangenehmes “Geschmäckle”.

April 27, 2007

Nachlese zum Tode Filbingers

Bezeichnend ist, dass die Empörer, die sich hier betätigen, ganz andere sind als bei Günther Grass, die sich empörten und sich jetzt wiederum zurückhalten! Das wirft die Frage nach einem “moralischen Utilitarismus” auf, der gerne hier und dort gepflegt wird. Der Punkt ist aber hier: Hans Filbinger ist tot und so wie Rolf Hochhuth ihn noch jetzt verbal unterhalb der Gürtellinie zu attackieren (O-Ton: „sadistischer Nazi””) zeigt eigentlich auf welchem Niveau sich Filbingers Kritiker bewegen. Ich denke GraSS-Kritker werden sich zurückhaltender äußern, wenn der “größte deutsche Nobelpreisträger”* das Zeitliche gesegnet haben wird. Das ist der Unterschied.

Hans Filbinger
Wissenswertes zum Fall Filbinger

*den keiner wirklich gerne lesen möchte

anderer GeistesWelt-Artikel zu diesem Thema.

April 14, 2007

Hans Filbinger, Opfer einer “politisch sensibilisierten Öffentlichkeit”?

Hans Karl Filbinger ist am 1. April diesen Jahres in Freiburg im Breisgau-Günterstal gestorben. Er war lange Zeit Ministerpräsident des Landes Baden-Württembergs. 1978 wurde durch eine Veröffentlichung des Schriftstellers Rolf Hochhuth 1 in der Wochenzeitung “Die Zeit” Filbingers Mitwirkung an vier Todesurteilen bei NS-Kriegsgerichtsverfahren bekannt. Aufgrund der darauf folgenden Medienkampagne mußte Filbinger von seinem Amt als Ministerpräsident zurücktreten. Der jetzige Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) hielt am 12. April eine Trauerrede, die im Elfenbeinturm der Mediengestaltenden einigen Wirbel auslöste: von “brachialer historischer Unwahrheit” spricht Hamburgs SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann 2; die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch 3, sieht in Oettingers Rede eine “Perversion der historischen Realität”. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth 1 , der 1978 Filbingers Tätigkeit als Marinerichter gegen Ende des Krieges aufgedeckt hatte, hält Oettingers Darstellung für eine “unverfrorene Erfindung”. Filbinger sei “ein sadistischer Nazi” gewesen. Der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck 4, äußert die Hoffnung, dass es Oettinger nicht gelinge, Filbinger “im Nachhinein zum Märtyrer” zu machen.

Medienkampagnen laufen so, dass die medialen Reaktionen bald nur noch und ausschließlich Inhalt der Meldungen sind, der Gegenstand als solcher tunlichst ausgeblendet wird. So hat das Simon-Wiesenthal-Zentrum mit Rücktrittsforderungen Oettinger den Klimax der emotionalen Empörungskaskade eingeläutet. Die Rücktrittsforderungen werden dann pauschalisiert durch die Presse wiedergegeben und man konstatiert „der Druck auf Oettinger nehme zu“. An und für sich kann man es aber so zusammenfassen, dass Filbingers Feinde heute noch nach dessen Tod ihren Hass mit Schaum vor dem Mund verbreiten, in der stillen Hoffnung noch einen weiteren politischen Rufmord an einem ungeliebten konservativen Gegner begehen zu könne. Aber schauen wir die wenigen greifbaren Punkte der Empörung uns näher an (im Wortlaut der Rede durch „Spiegel-Online“ fett dargestellt):

Filbinger war kein Nationalsozialist: Filbinger trat später als andere der NSDAP bei, zuvor gehörte er dem katholischen Schüler- und Studentenbund Neudeutschland an. Die Vereinigung, die politisch dem Zentrum nahestand, widersetzte sich einer Eingliederung in die Hitler-Jugend und wurde 1939 als staatsfeindlich verboten. Hans Filbinger, der eine führende Rolle im Bezirk Nordbaden spielte, forderte seine Bundesbrüder im April 1933 auf, die Vereinstätigkeit im Rahmen der bisherigen Zielsetzungen fortzuführen. Ein Stipendium der “Studienstiftung des Deutschen Volkes” wurde Filbinger verweigert, weil er “einen ausgesprochen religösen und konfessionellen Weltanschauungshorizont” habe. Filbinger war kein überzeugter Nationalsozialist, das wollte Oettinger ausdrücken als er sagte: anders als in einigen Nachrufen zu lesen, gilt es festzuhalten: Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen Andere. Wenn wir als Nachgeborene über Soldaten von damals urteilen, dann dürfen wir nie vergessen: Die Menschen lebten damals unter einer brutalen und schlimmen Diktatur!

In Bezug auf die spätere Tätigkeit als Marinerichter sagt Oettinger: Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte. Und bei den Urteilen, die ihm angelastet werden, hatte er entweder nicht die Entscheidungsmacht oder aber nicht die Entscheidungsfreiheit, die viele ihm unterstellen. Hans Filbinger hat mindestens zwei Soldaten das Leben gerettet: Einer von ihnen, Guido Forstmeier, weilt noch heute unter uns und kann bezeugen, dass sich Filbinger dabei großer Gefahr ausgesetzt hat. Da hat Oettinger recht, Filbinger war ein ausgesprochener milder Richter. Der Vorfall der ihm immer angelastet wird ist das Todesurteil gegenüber Walter Gröger, der wegen Fahnenflucht angeklagt worden ist und Filbinger auf Betreiben seiner Vorgesetzten in der Rolle des Staatsanwaltes die Todesstrafe fordern mußte, die dann auch vom Richter bei eindeutiger Beweislage ausgesprochen worden ist. Hinzu kommt, dass Filbinger als Staatsanwalt -wie es vorgeschrieben war- der Hinrichtung beiwohnen mußte, was in den Vorstellungen vieler heute der Grund ist, ihre emotionale Abneigung (neben der politischen) zu begründen. Damals entsprach es der Realität des Krieges und viele seiner Kritiker sind spätgeboren, unfähig es zu begreifen.

Jetzt ist der Fall Filbinger ein Fall der damals vor 30 Jahren die Gerichte und Gemüter erregte und eine Würdigung oder Kritik ist ohne ausreichendes Quellenstudium nicht möglich. Was aber hier vollkommen untergeht ist, dass Oettinger eine Trauerrede am Sarg des Verstorbenen und vor seiner Familie gehalten hat. Filbinger erscheint nicht ein Überzeugungstäter damals gewesen zu sein und ist gewiss auch kein „sadistischer Nazi” gewesen wie es Rolf Hochhuth 1 hier wieder behauptet. Überhaupt solche Beleidigungen eines frisch Verstorbenen zeigen doch nur das geistige Niveau Filbingers Gegner.

Fazit: Im Fall des SS-Manns und Linken Günter Grass war das mediale Echo auf seine Nazivergangenheit ausgesprochen milde. Im Falle eines konservativen Ministerpräsidenten wird anscheinend erwartet ihn auch noch an der Bahre zu verunglimpfen. Schaut man sich die Mehrzahl der Empörer an, dann wird deutlich, dass Filbingers Gegner zum größten Teil genau das sind, was Franz Josef Strauß „rote Ratten“ genannt hätte und links eben eine moralische Eigenart ist, keine politische. Zutreffend hat es der Historiker Wolfram Wette in einem Aufsatz beschrieben: Gemeinhin werde gesagt, Filbinger sei an seiner Nazivergangenheit gescheitert. “Das ist so nicht richtig. Sein Problem war die Art und Weise, wie er mit den historischen Fakten in einer politisch sensibilisierten Öffentlichkeit umging.” Filbinger habe nicht erkannt, dass man einer moralischen Empörung “nicht mit juristischen Entlastungsdetails beikommen kann”. Aber dabei sind es doch gerade die „juristischen Entlastungsdetails“, die in einem Rechtsstaat einen Menschen vor einer „politisch sensibilisierten Öffentlichkeit“ schützen sollten?

1 laut Wikipedia ist Rolf Hochhuth ein deutscher Dramatiker und ein maßgeblicher Anreger des Dokumentartheaters. Schriftstellerisch setzte er sich oftmals mit der NS-Vergangenheit und mit aktuellen politischen und sozialen Fragestellungen auseinander. Dabei stellt er Personen der Zeitgeschichte innerhalb der Zeitumstände dar und verbindet sie mit erfundenen Figuren. Kritiker werfen Hochhuth vor, rückläufige öffentliche Aufmerksamkeit als Dramatiker mit publikumswirksamen skandalträchtigen Effekten zu kompensieren. Darauf seien vermehrte Skandal-Meldungen in den Medien und darauf folgende öffentliche Diskussionen zurückzuführen. So hatte Hochhuth in „McKinsey kommt“ eine Passage eingebaut, die von Medienvertretern als mögliches „Verständnis für einen Mordaufruf“ gegen den Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann interpretiert wurde. Im März 2005 geriet Rolf Hochhuth erneut in die Schlagzeilen, da er in einem Interview mit der konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit den britischen Publizisten David Irving verteidigt hatte, der mehrfach gerichtlich als Holocaustleugner verurteilt wurde (München 1993, London 2000, Wien 2006) und in Deutschland mit einem Einreiseverbot belegt ist. Hochhuth sagte: „Irving ist ein fabelhafter Pionier der Zeitgeschichte, der großartige Bücher geschrieben hat. Ganz zweifellos ein Historiker von der Größe eines Joachim Fest. Gegenüber dem Berliner “Tagesspiegel” bekräftigte Hochhuth die Parteinahme einen Tag später.

2 2004 wurde Naumann wegen Beleidigung des damaligen Berliner Generalstaatsanwaltes Hansjürgen Karge (SPD) zu einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Zuvor hatte Naumann in einer Sendung des Senders n-tv zum Skandal um Michel Friedman (CDU) den ermittelnden Staatsanwalt als „durchgeknallt“ bezeichnet.

3 Eine ehemalige Hausangestellte ihrer Eltern rettete Charlotte vor dem Holocaust; sie brachte das Mädchen zum Bauernhof ihrer katholischen Familie nach Franken und gab es als eigenes uneheliches Kind aus.

4 Seine satirischen Plakate und die von ihm kommerziell vertriebenen Postkarten-Ausgaben richteten sich häufig gegen Inhalte der Politik von CDU/CSU. Seine Satire provozierte immer wieder Politiker in konservativen Kreisen. Dadurch kam es des Öfteren zu eher unspektakulären Eklats und juristischen Streitigkeiten, was ihm allerdings durchaus entgegenkam, da dies seine Bekanntheit nicht unwesentlich förderte.

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