GeistesWelt

September 25, 2009

Was soll ich am Sonntag wählen? Der Wahltipp!

Filed under: Bundespolitik

Lang überlegt, was ich empfehlen werde, am Sonntag zu wählen. Die Empfehlung lautet: Die PIRATEN. Gründe hierfür im Anschluß.

Orange ist die Farbe der Piratenpartei in Deutschland. Unklar, ob diese Farbe an das Videospiel “Halflife 2″ oder das Orange der Revolution in Osteuropa anspielt? Das ist dem Betrachter überlassen. Die Piratenpartei knüpft aber zweifelsohne an wichtigeres an, als andere Parteien in Deutschland. Denn das Presseecho war - im Guten wie Bösen - für eine außerparlamentarische Partei überwältigend. Vielleicht regen die Piraten auch einfach nur die Phantasie der Betrachter an? Allein deshalb hätten sie Ihr Kreuz am Sonntag verdient.

Die Strategie der Alt-Parteien ist es einen “Lagerwahlkampf” zu simulieren. Auf der einen Seite Schwarz-Gelb und auf der anderen Grün und Rotschattierungen. Es wird dem Wähler versucht deutlich zu machen, dass jetzt seine Stimme für diesen “epochialen” Kampf wichtig wäre. Das aber ist geschummelt. Denn was wird sich real nach dieser Wahl ändern? Das Realistischste wäre die “Große Koalition” reloaded. Es gibt genug Menschen in Deutschland, die wählen, weil alle wählen gehen. Da kommen genug Bauernstimmen für die politischen Marktführer zusammmen, die ihre beherrschende Marktstellung in einem Monopol zementieren werden.

Die andere Alternative wäre Schwarz/Gelb. Viele machen sich dort Hoffnungen. Auch ich, denn meine eigentliche Wahlempfehlung wäre FDP gewesen, wie schon eigentlich immer. Was aber würde sich wirklich mit den Westerwellen ändern? Überall dort, wo die FDP in der Regierungsverantwortung ist, da segnet sie die Bürgerrechts-Einschränkungsgesetze der CDU ab. Eine Ron-Paul-Revolution oder zumindestens keinen Schäuble oder von-der-Leyen als Minister/in, kann man sich alles abschminken. Es läuft weiter wie gehabt. Auch egal, ob die Grünen nun dabei sind oder wer auch sonst.

Das Problem ist die Kompatibilität aller Parteien zueinander. In einem System, wo Koalition mit 3 oder mehr Parteien die Regel sind, da spricht man sich untereinander ab und harmonisiert sich. Heute ist jeder für “Öko” oder “Bio”, total “sozial” und natürlich für eine konsequente “Verbrechensbekämpfung” in Form von Abbau von Bürgerrechten. Eigentlich könnten sie eine Proporz-Bundesregierung bilden, in der alle im Bundestag vertretenen Parteien ein Ministerpöstchen bekommen würden. Am Status quo der Republik ändert sie dadurch nichts.

Die Piratenpartei steht dort abseits, da sie noch die Interessen von Bürgern wahrnehmen will. Auch Überlegungen, dass diese Partei tendenziell zum linken Spektrum neigen wird, sind sekundär, da sie nicht an einer Koalition beteiligt werden würde, wenn sie denn den Sprung in das Parlament schaffen würde, was unklar ist.


Montagsdemo in Leipzig

Die Piratenpartei ist die Protestpartei dieser Wahl, weil sie am unkonventionellesten und am chancenreichsten von allen anderen Protestparteien ist. Das ist wie bei den Montagsdemonstrationen am Ende der DDR, bei denen sich verschiedene gesellschaftliche Schichten trafen, einfach nur, um gegen die staatliche Autorität zu demonstrieren. Es war egal, wer dabei war. Was wichtig war, dass es passierte. Ähnlich ist die Wahl der Piratenpartei zu sehen.


Alle Ampeln auf orange!

Es lohnt sich nicht, seine Stimme für eine Rechtspartei zu versenken, da dort eben kein Wahlerfolg zu erwarten ist. DVU, REP oder NPD? Die Europawahlen zeigten, dass dort eben kein Potential zu erwarten ist.

Nichtwählen juckt die Berufspolitiker nicht, da sie dann sagen werden, einer, der nicht zur Wahl geht, dem geht es gut und der will auch nichts. Leute, die ungültig wählen gelten, da stets nur Randerscheinung, als Idioten. Ein gutes Abschneiden aber einer Partei, die durch renetentes Verhalten oder comichaftes Erscheinungsbild punktet, schmerzt mehr. Ihnen wird somit klar, dass zunehmend mehr Leute auf ihre aalglatte Art verzichten können und Polit-Amateuren mehr Vertrauen schenken.

Lesetipps über die Bundestagswahl:
Winkelried: Bundestagswahl aus der Sicht der Schweiz

10 Comments »

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  1. Tja, da bleibt wohl nur noch ein Grund, weshalb man die Piraten nicht wählen sollte:
    Meinungsfreiheit!

    Comment by Wilhelm Entenmann — September 25, 2009 @ on September 25, 2009 at 5:20 pm.

  2. Na ja, die Wahl am Sonntag wird zeigen, wie sehr das Internet wahlrelevant geworden ist. Man darf gespannt sein. Angeblich soll jeder zweite Banker der Dresdner Bank die Piraten wählen wollen. Ebenso gibt es eine Wahlempfehlung von den “Freien Wählern” für die Piraten. Da dürfte schon einiges zusammenkommen. Ich revidiere meine Prognose von 3 auf 4 Prozent.

    Comment by geisteswelt — September 25, 2009 @ on September 25, 2009 at 5:47 pm.

  3. …dann dürfte Dir dies Heldenepos gefallen:
    http://www.youtube.com/watch?v=gb2z5fACP3A

    Ich sags mal ganz deutlich: Es soll Leute gegeben haben, die den Hitler gewählt haben, um damit die SA (Nazis) in den Griff zu kriegen.

    Comment by Wilhelm Entenmann — September 25, 2009 @ on September 25, 2009 at 6:15 pm.

  4. Sag mal Wilhelm: wo und wie ist dieses Video denn gegen “rechts”? Lichtprojektionen? Da kommt doch einem der “Lichterdom” der Nazis (im Video in Minute 3) in Erinnerung. Ich glaube die Piraten kratzen hier wieder in ihrer Unbedarftheit an einem von den deutschen Tabus?

    Comment by geisteswelt — September 25, 2009 @ on September 25, 2009 at 6:49 pm.

  5. Die PIRATEN kannst Du alleine schon deshalb wählen, weil es zurzeit nichts Besseres gibt.
    Richtig schlau muss man da gar nicht werden, die anderen gehen Dir sowieso an den Laib.
    Aus rechter Sicht (die ich spasseshalber einmal einnehmen möchte - in Form von “Neuer Rechter”) geht ansonsten gar nichts.
    Willie ist da (mal wieder) desorientiert, ist der eigentlich mit dieser Person bei den Grünen identisch, die schon gelegentlich mal als vernünftig aufgefallen ist? (OK, spekulativ, aber PS sind ja da…)
    MFG, WB

    Comment by Webbaer — September 25, 2009 @ on September 25, 2009 at 9:01 pm.

  6. @Geisteswelt
    Gleich zu Beginn zeigen die Piraten ihren Mut gegen Rechts.

    @Webbaer
    Wenns nichts besseres zu essen gibt, dann ist wohl Schei**e die beste Alternative?
    Dem “rechten” Webbbaer sei die folgende Lektüre empfohlen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31165/1.html

    Hitler baute Autobahnen, die Piraten wollen die freie Datenbahn… .

    Comment by Wilhelm Entenmann — September 26, 2009 @ on September 26, 2009 at 7:57 am.

  7. Hab den Text mal durchgelesen, worauf willst Du hinaus?
    BTW, der Webbär ist nicht rechts.
    Manchmal habe ich den Eindruck, dass bestimmte, auch experimentelle Aussagen, hier oft missverstanden werden, aber no prob…
    Natürlich sind die PIRATEN nicht unproblematisch, aber wie geschrieben, die haben ihre Kompetenzen.
    Anderseits, Dich verstehe ich auch oft nicht, was heisst das hier:
    “Hitler baute Autobahnen, die Piraten wollen die freie Datenbahn…”
    ?
    MFG, WB

    Comment by Webbaer — September 26, 2009 @ on September 26, 2009 at 8:15 am.

  8. @Wilhelm: Die beiden Sozialarbeiter am Anfang? Solche gibt es auch in der Piratenpartei. Wobei “Club 88″ wahrscheinlich auch nicht der beste Laden sein wird. 88 soll ja “HH”, “Heil Hitler” heißen. Worauf es mir ankommt ist das Protestpotential zu bündeln. Die Piraten sollen möglichst stark werden, dann werden sie sich irgendwann verstärkt ideologisch “säubern”. Die Welle der Wechselwähler wird dann anfangen woanders hinzuschwappen. Vielen wird auch deutlicher, dass Unterdrückung der Meinungsfreiheit viel realer in Deutschland ist, als sonst immer angenommen. Wenn man merkt, dass eben andere Piraten so behandelt werden, wie sonst eben nur “Nazis”, dann werden die gesellschaftlichen Mechanismen für viele mehr deutlicher. Was zählt ist die Erfahrung des “Schwarmes”, nicht der Parteispitze, die zunehmend ideologisieren wird. Parteien sind Vehikel und die Freiheitsbewegung kann ganz gut die Piraten benutzen. Was zählt, dass am Sonntag eben Druckwellen von Detonationen in den großen Parteizentralen zu spüren sind. Sonst machen die weiter mit ihrem Polizeistaat, der übrigens ja auch (=> Schäuble) den Islam als gesellschaftlich relevante Kraft in Deutschland etablieren will. Wenn es gelingt, bürgerlichen Unmut mehr und mehr in Alternativparteien zu bündeln, die erfolgreich sind, dann werden sie irgendwann ihr Denken und Handeln ändern müssen.

    Comment by geisteswelt — September 26, 2009 @ on September 26, 2009 at 8:49 am.

  9. @GeistesWelt
    Ja, das NarrenPiratenschiff ist auch ein Vehikel, allerdings nur für die linke Meinungsfreiheit, siehe der Fall des Interviews vom ersten Piratenoffizier Popp in der “Junge Freiheit” (dokumentiert in heise.de oben).
    …und der Schwarm im Kielwaser der Piraten ist nun mal links - ich habe vor ca. 2 Wochen (”experimentell”) getwittert, dass ich den Piraten beitreten wolle. Die Reaktion der linken Meinungshüter der Piraten ließ nicht lange auf sich warten…. . Bereits zuvor (vor meinem “Experiment”) sind dort (Twitter) linksextreme Piraten über mich hergefallen.
    GeistesWelt, es ist linkes Pack, das Freiheit propagiert, aber seine Definition von Freiheit vorgibt.
    Vergiss es, ich werde mich nicht mehr dazu äußern.
    @Webbaer
    s.o.

    Comment by Wilhelm Entenmann — September 26, 2009 @ on September 26, 2009 at 9:58 am.

  10. Sollten die PIRATEN es schaffen linke IT-Altfritzen (davon gibt es genug) herauszuhalten und antietatistisch und um Freiheit bemüht um die erforderliche rechtsphilosophisch notwendingen Anpassungen, äh, zu ringen, und dabei angemessen gehört zu werden, dann gäbe es eigentlich kaum Besseres. Die Kollegen sind schon kompetent i.p., äh, Webkompetenz. Und wer kann das heute schon von sich behaupten?
    MFG, WB
    PS: Ohren steifff halten!

    Comment by Webbaer — September 26, 2009 @ on September 26, 2009 at 3:57 pm.

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