GeistesWelt

September 16, 2009

Andreas Popp - Landratte als Piraten-Vize?

Filed under: Bundespolitik

Wie schon bemerkt, gab Andreas Popp, Vize-Chef der Piratenpartei Deutschland (PPD), der rechtsalternativen Zeitschrift “Junge Freiheit” (JF) ein Interview. Jetzt rudert er zurück mit fadenscheinigen Begründungen. Wie medienkompetent ist die PPD?

Für die “Junge Freiheit” Interviews zu geben, ist für einen Politiker wie für eine hübsche Frau sich für den Playboy ablichten zu lassen. Man spricht über einen, so oder so. Linke Politiker dürfen das und machen dies sogar öfters als die Wogen erahnen lassen, die über rechte Politiker hereinbrechen, wenn sie es auch so machen. Andreas Popp gab ebenfalls ein Interview, was recht informativ und nett war. Jetzt haben die Meinungsgouvernanten dieser Republik “politische Instinktlosigkeit” ausgemacht und hetzen in den üblichen Blättern gegen die PPD. Tenor der Kritik sei die klandistine Rechtslastigkeit der “Jungen Freiheit”, die aber kaum konkret wird, sondern unterschwellig in den ideologisch vergifteten linken Herzen zum lodern kommt.

Die “Junge Freiheit” betreibt heute ernsthaften Journalismus und das, woran Linke sich ärgern ist, dass deren Mobbingopfer wie Hohmann oder Eva Herman in dieser journalistischen Nische noch fair thematisiert werden. Hetzerinnen wie Julia Seeliger von der “taz”, die eben solche Traktate verfassen, in denen ein Interview für die “Junge Freiheit” “problematisiert” wird, kann solche liberale Grundhaltung nur verdammungswürdig sein. Das ist klar.

Darum geht es aber nur sekundär. Leute wie Seeliger popeln mit Totschlagargumenten nach Formfehlern, weil “man” eben für diese Zeitung keine Interviews geben darf. Inhaltlich steht Popp ja in keiner Weise zur Diskussion. Das muß man im Hinterkopf haben, wenn man jetzt das Dementi auf seinem Blog durchliest. Er “wußte nicht, was für eine Zeitung die JF” sei! Toll, nach dem linken Katzenjammer, der beinah halbjährlich über die JF angestimmt wird, ist diese Aussage für einen politisch interessierten Menschen (Popp ist stellvertretener Vorsitzener einer Partei, die in den Bundestag will) - gelinde gesagt - schon “etwas” enttäuschend. Nicht inhaltlich oder ideologisch, sondern rein formal substanzlos.

Weiter lamentiert er rum, dass ihm die Wörter von der JF im Munde herumgedreht worden sind. Er sagt aber faktisch auch aus, dass er das Interview gegengelesen hat und die von ihm autorisierte Fassung gedruckt worden ist. Das ist herumgeeiere und eigentlich auch am Thema vorbei, da ja nicht das in der Kritik steht was er gesagt hat, sondern wo er es gesagt hat.

Letztlich ist Andreas Popp ein politischer Amateur und nicht weiter ernstzunehmen. Das ist leider nun mal so.

Gar nicht amateurhaft präsentiert jetzt die JF noch einen persönlichen Fragebogen von Jens Seipenbusch, dem richtigen Piraten-Chef. Der hat wohl diesen auch mal einfach so für die “rechtslastige” JF ausgefüllt. Seipenbusch hat auch etwas mehr als sein Vertreter Popp auf den Kasten und kann sich nicht mit “Unwissenheit” herausreden. Damit muß sich die PPD ernsthaft der Frage stellen, ob sie als übergreifende Bürgeropposition eben auch den “rechten Rand” nicht meidet, oder eben doch nur eine weitere Splitterpartei des linken Spektrums sein will? Vor der Bundestagswahl ist diese Frage ja nicht uninteressant!

5 Comments »

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  1. “Demokratie ala Piratenpartei: Nicht um Meinungsfreiheit, sondern Meinungshoheit zu erringen, darum geht es… Das ist extrem abschreckend…”
    Dieter Nuhr am 14.09.2009 auf -> Twitter.


    off: Lies mal die Frage und Antwort auf abgeordnetenwatch -> hier.

    Comment by Wilhelm Entenmann — September 16, 2009 @ on September 16, 2009 at 6:21 pm.

  2. Dieter Nuhr ist BRD-Fernsehmitarbeiter! Relevant? ;)

    Stefan Rebmann kennt Schoggo-TV! Wir sollten ihn zum neuen Vize vorschlagen, da er anscheinend mehr Medienkompetenz besitzt als Andreas Popp. Auch eine Julia Seeliger dürfte so ihre Orgasmusschwierigkeiten überwinden können. Wenn schon nicht im Großen, dann sollte im Kleinen die Welt doch besser werden?

    Abseits der Polemik verfolge ich es mit Interesse, wie aus einer eigentlich a-politischen Partei, die mit Unbedarftheit Erfolg und dadurch den Neid und die Mißgunst alter Platzhirsche weckt, eine durch das System verdorbene x-te sozialdemokratische Partei werden droht. Wie in der “Götterdämmerung” mit Siegfried kann man Wotans emotionale Betroffenheit nachfühlen. Europa zwischen Posse oder Diktatur! So war es schon immer!

    Comment by geisteswelt — September 16, 2009 @ on September 16, 2009 at 7:05 pm.

  3. Seit Wochen verfolge ich nun die kleinen und größeren Skandale der Piraten, von Tauss bis “Junge Freiheit”. Es ist wirklich nicht zu fassen: Erst behauptet man, nicht gewusst zu haben, was die “Junge Freiheit” sei und dann wird wenige Tage später noch mal vom Piraten-Bundesvorsitzenden der nachgelegt. Für dumm halten die Piraten eigentlich uns Wähler?

    Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass die Piraten gezielt am rechten Rand fischen. Anders kann ich mir das alles nicht mehr erklären.

    Comment by Holger — September 16, 2009 @ on September 16, 2009 at 10:12 pm.

  4. Popp ist mir mehrfach positiv aufgefallen.
    Bitte keine schnellen Urteile!

    Comment by Webbaer — September 21, 2009 @ on September 21, 2009 at 11:22 am.

  5. Seine Reaktionen auf die Interviewkritik waren dämlich. Sich für ein Interview rechtfertigen zu müssen, in dem er inhaltlich eine Koalition mit rechten Kräften eigentlich ausschloß, nur wei das Interview in der JF gedruckt worden ist? Ich würde das als Kindergarten bezeichnen.

    Ich verlange nicht, dass die Piraten eine rechte Agenda entwickeln, sondern, dass sie gewisse Denksperren, die im öffentlichen Diskurs herrschen, überwinden. Man muß nicht “rechts” gutfinden oder sein, wenn man der JF ein Interview gibt. Da darf man sich einfach die Butter nicht vom Brot nehmen lassen.

    Comment by geisteswelt — September 21, 2009 @ on September 21, 2009 at 12:13 pm.

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