2,45 Millionen wahlberechtigte Berliner dürfen heute abstimmen, ob Religion ein ordentliches Wahlpflichtfach neben dem 2006 eingeführten Pflichtfach Ethik wird oder ob es weiterhin eine freiwillige Veranstaltung außerhalb der regulären Unterrichtsstunden bleiben soll.
Die Bürgerorganisation „Pro-Reli“ brachte ein Bürgerbegehren auf den Weg, das dieses ermöglichen soll. Große Teile der Sozialisten haben ein Problem mit der christlichen Religion und im Blätterwald erlebte man in Vorfeld einen Kulturkampf. Die Berliner Regierung, an der auch Postkommunisten beteiligt sind, führte ein weltanschauliches Fach „Ethik“ verbindlich für alle Schüler und Schülerinnen ein, welches zuvor noch zu Gunsten eines Religionsunterrichts verweigert werden konnte. Das Fach „Ethik“ wurde mit 2 Wochenstunden für jeden Schüler zur „Pflichtsitzung“. Inhalte und Ziele des Unterrichts sind nach Darstellung der Landesregierung: Ethik setzt auf den Dialog der Schülerinnen und Schüler verschiedenster Herkunft. Es werden Standardwerte der staatlichen Politik-Ideologie vermittelt und auch benotet: Identität, Gleichheit, Gerechtigkeit, Diskriminierung, Solidarität, Schuld und so weiter. Auffällig ist, dass nicht Individualität auf dem Lehrplan steht oder die Freiheit nur in einer Gesellschaft thematisiert wird, nicht die Freiheit vor einer Gesellschaft. Also das Fach „Ethik“ ist keineswegs weltanschaulich unabhängig, sondern eindeutig links-ideologisch gefärbt.
Mathematikunterricht soll auch Weltanschauung vermitteln
Interessant zu sehen, wie hier doch ein weltanschaulicher Unterricht betrieben wird, in dem Schüler im Sinne einer Staatsdoktrie - wie bei den Nazis und Kommunisten - verbogen werden sollen. Das Land Berlin ist da aber diesen beiden einen Schritt noch vorraus. Es argumentiert: Diese Ziele [der Indoktrination] gelten für jedes Unterrichtsfach. In Ethik bedeuten sie noch mehr. Sie sind Inhalt des Faches selbst. Nicht jede Mathematikstunde kann Fragen der Lebensgestaltung oder des Zusammenlebens berühren. Ethik-Stunden aber können es.
Einmal wird hier gesagt, dass jeder Unterricht nicht wissensorientiert sein sollte, sondern werteorientiert und es wird die Kühnheit aufgebracht nicht von jeder Mathestunde diese Werteorientiertheit erwarten zu können? Die Zeiten in denen einfach nur Mathematik, Latein, Englisch unterrichtet worden sind scheinen vorbei. Es gilt Mathematik, Latein, Englisch und so weiter für die Entwicklung einer gegenseitigen Toleranz und Solidarität [etc] zu lehren. Nebenbei gesagt schafft dieses System vielfach Versager, die kaum lesen oder rechnen können, aber Abitur haben. Es tut diesen Leuten im Nachhinein damit keinen Gefallen.
Gibt es in Deutschland überhaupt noch Schulen, die zur Freiheit und Unabhängigkeit erziehen? Kritik gegenüber staatlichen Institutionen ist geradezu überlebensnotwendig für eine Demokratie, gerade wenn sich seine Institutionen für ethisch nicht angreifbar halten. Dies kann aber von schlecht ausgebildeten Schülern, die wie Hunde auf bestimmte Begriffe dressiert worden sind, wie „Solidarität“, „gegen Rechts“, nicht mehr geleistet werden. Vielleicht ist es das, was der parlamentarische Arm der Sozialisten auch genau vorhat? Die Ausbildungszeiten werden immer länger und die Leistungen der Ausgebildeten immer schlechter. Das hat Methode und sind keine Einzelfälle. Das hat nämlich nicht nur mit einer „immer größeren Komplexität der Welt zu tun“, sondern eher mit dem Vorrang von Ideologie vor Wahrheit. Die Diskussion um das Fach Religion ist jetzt ein Stellvertreterkrieg zu diesem Problem, dass staatlicher Einfluß auf Schulen in Deutschland ähnlich verhängnisvoll werden kann, wie in zuvorigen Diktaturen.
Nebensächliches: Götz Wiedenroth faßt es auf “Eigentümlich Frei” auf seine Art so zusammen.