“Zeitungszeugen” wird Zeitzeuge
Gedanken zu der mittlerweile in Deutschland nicht mehr komplett erscheinen dürfenden Zeitung “Zeitungszeugen”.
Es gibt gewisse Dinge mit denen eine Gesellschaft sich unwillkürlich Denkmäler setzt, die viel mehr aussagen als das, was man bewußt sich als Denkmal aufstellen würde, wenn man es zu seinen Lebzeiten tun dürfte. Letzteres spricht zum Glück noch gegen den guten Geschmack der Zeit. Aber das ist nicht das Thema.
Die Zeitschrift “Telepolis” schreibt auf ihren Internetseiten:
Übergreifendes Thema des Hefts wäre das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 gewesen, das, wie es auf dem mit einem großen, roten “zensiert” versehenem Titel heißt, “Ende der Demokratie”.

Heute sind solche Vergleiche ebenfalls “tabuisiert”, heißt wenn einer als Redakteur in öffentlichen Zeitungen soetwas schreiben würde, dann würde er wahrscheinlich entlassen werden. Mich hätte der Versuch einer zeitgenauen Präsentation der Presse von damals interessiert, ob eine ähnliche Gleichförmigkeit vorlag wie sie heute durch politische Bedingungen geschaffen worden ist? Ich denke wir wären von der Presselandschaft vor 1933 positiv überrascht worden und ermahnt unsere eigene Zeit kritischer sehen zu müssen. In Ländern in denen aber Wahrheit als staatsgefährdend gesehen werden muß ist Zensur obligat. Und es ist Zensur, auch wenn es natürlich immer anders gesagt wird, da Täter ihre Taten anders benennen als Opfer.
“Telepolis” schreibt dazu:
Ob der Verlag die Reaktionen des Freistaats nicht bewusst provoziert habe, um damit Aufmerksamkeit zu erregen und so die Auflage zu steigern, war eine von drei Fragen, die bei einer gestern abgehaltenen Pressekonferenz in München zwei Stunden lang wieder und wieder in verschiedenen Formulierungen gestellt wurden.
Wieder und wieder mußten sich die Redakteure den Vorwurf anhören bewußt provoziert zu haben! Eine Internalisierung eines Rechtfertigungsmusters muslimischer Serientäter! Jeder hat aber das Recht sich in Wort, Ton und Bild auszudrücken, und der sich “provoziert” fühlt muß in einer freien Gesellschaft damit leben können oder in eine Diktatur seiner Wahl auswandern! Das ist die bittere Realität und viele könnten daran sehen wie weit sie selber unten in der Meßlatte der Freiheit stehen würden.
Man könnte jetzt nur sehr viel mehr Boshaftes über die Gesellschaft der BRD schreiben, was aber nicht sehr viel weiterführen würde. Ich will lieber einen Versuch wagen zu erklären, warum die Zeit so ist, wie sie ist.
Es geht um die Begrifflichkeit “Freiheit”! Es liegt daran, dass viele diesen Begriff eben nicht mehr mit Inhalt füllen können oder mit derartigem, der sogar negativ besetzt ist. Gehen wir zurück in die 30′er des letzten Jahrhunderts: “Von Freiheit kann ich nicht satt werden!”, so war vielerorts die Einstellung der Deutschen. Vergleichen wir es mit dem Amerika dieser Zeit wo das Motto des Staates New Hampshire “Live free or die!” auch heute noch das Bewußtsein der Menschen zum großen Teil wiedergibt. Es gibt seriöse Untersuchungen, die zeigen, dass in Amerika von den meisten die Freiheit immer noch über die soziale Sicherheit gestellt wird. Lebe als freier Mensch oder stirb! Wenn man das Deutschen sagt halten die einen für verrückt. Wer verrückt ist oder nicht mag man aber auch an Hand der Gesichte beurteilen können. In Amerika herrschte damals die Wirtschaftskrise noch viel schlimmer als in Deutschland. Amerika blieb wie es war, auch wenn es einen “New Deal” gab, auf den ich hier nicht weiter aus Darstellungsgründen eigehen will. In Deutschland hieß die Antwort auf die Wirtschaftskrise: Hitler! Das ist ein Mentalitätsunterschied, der sich so in der Weltgeschichte dramatisch, auch gegeneinander, ausgelebt hat.
Heute ist es noch ähnlich, auch wenn in Amerika das Verständnis für die Freiheit allmählich verloren geht. Aber mit Blick auf Deutschland heißt es, dass mit einer dramatischen wirtschaftlichen Verschlechterung auch die Reaktionen von damals heute ähnlich sein müßten. Mit Blick auf die momentane wirtschaftliche Lage wird so vieles klar, was zur Zeit in der BRD sich abspielt.
Wie kommt man eigentlich zu einem positiven Freiheitsbegriff? Freiheit, die sich selber höher einschätzt als das Leben muß metaphysisch begründet sein! Die ersten Siedler der USA waren Menschen, die einen tiefen christlichen Glauben besaßen, den sie im korrumpierten Europa nicht leben konnten. Sie entschieden sich in ein wildes Land auszuwandern, um dort nach ihrem Glauben leben zu können - auch auf die Gefahr hin dort zu sterben. Eigentlich ist das der Kern der Sache. Freiheit bedeutet Freiheit vor dem Urteil des anderen in Vertrauen auf die Gerechtigkeit Gottes. Deshalb ist sie auch sozusagen Frucht des Christentums und andere Kulturen und Religionen können nicht zu dieser Frucht gelangen, weil ihnen das gedankliche Selbstverständnis dazu fehlt. Eine materialistisch begründete Freiheit wird letztlich die Freiheit immer den Lebensumständen opfern wollen, weil sie materialistisch ist und diese Dinge für sich letztendlich dann ausschlaggebend sind. Das ist eigentlich die Dramaturgie, die hinter den Dingen steckt. Historisch gesehen gab es eine Phase in der Geschichte der Neuzeit in der das Christentum eine letzte Blüter erlange, auch mit der Übersetzung der Bibel und dem Umstand, dass diese Schrift die Leute zu der Zeit stark inspirierte. Die Fähigkeit die Begrifflichkeiten dort für das reale Leben zu sehen verschwand aber mit einer trügerischen Sicherheit von Naturwissenschaft und dem Gefühl der eigenen gedanklichen Überlegenheit. Zuerst verblaßte also der Glaube an Gott, dann als Folge davon mußte der Begriff Freiheit an Bedeutung verlieren.
Ein jeder möge die passenden Schlüße ziehen, so wie er den Text zu verstehen mag. Ich denke, wenn man auf eine große Metaebene sich begibt und die Dinge hier betrachtet und sie im wesentlichen ausdrücken will, sind sie folgerichtig.






Man liest ja auch besser nicht Telepolis. :–)
Comment by Silberlöffelchenmitmessinglegierung — January 30, 2009 @ on January 30, 2009 at 1:21 pm.