In Berlin werden zur Zeit abgeschottete Siedlungen gebaut, die in der Öffentlichkeit als „townhouses“ bezeichnet werden. Verdeckter Hass und vor allem Neid wird den zukünftigen Bewohnern dieser Häuser entgegengebracht. Sondert man sich hier von einer Alltagswelt in Deutschland ab, die zunehmend von multiethnischen Konflikten, der wachsenden Proletarisierung und religiöser Gewalt sprich Terror geprägt ist?
Die Begriff „townhouses“ ist aussagearm bezüglich des eigentlichen Sinnes durch private Sicherheitskräfte und technische Vorkehrungen Lebensräume zu schaffen, in denen (klassischer Weise in den USA) Schwarze und Latinos, hier pauschal und verallgemeinernd nur “ausländische Mitbürger” genannt, höchstens als Gärtner Zutritt bekommen.
Eine Recherche bei Wikipedia bringt folgendes über „townhouses“ zu Tage:
Eine neue Variante von Reihenhäusern sind Townhouses. Sie greifen auf das Modell des vorindustriellen mehrgeschossigen Bürgerhauses auf kleiner schmalem Grundfläche zurück. Mit der Kritik an der flächenverbrauchenden aufgelockerten Stadt, insbesondere von Einfamilienhausgebieten, wird die verdichtete Stadt wieder ein Leitbild. Als Townhouses bezeichnet werden Typen von Reihenhäusern, mit denen sich eine hohe Baudichte erzielen lässt, sie bieten derzeit ein Experimentierfeld auf der Suche nach dem Einfamilienhaus im Kontext der hochverdichteten Stadt.
Also drückt der Begriff „townhouses“ zuerst etwas über den Baustil des Hauses aus. „Forensikblog“ besuchte einmal die „Prenzlauer Gärten“ im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg, und aus dessen Bericht folgende Bilder auch entlehnt worden sind. Gelten „townhouses“ als hippes, familien- wie standesgerechtes, modernes Wohnen kommen mir bei Betrachtung der Bilder Zweifel. Kann es sein, dass „townhouses“ einfach nur der Abklatsch des spießigen Reihenhauses sind, bloß moderner, sicherer und vor allem teurer?

Der erste Gedanke ist hier wohl: „Himmel! Dicht gepackt“! Hier wird das Wohnen wie ein Dauerurlaub in den architektonisch ebenfalls postmodern gestalteten Massentouristikzentren auf Mallorca. Einziger Unterschied: man kann mit dem Nachbarn nicht annähernd soviel unternehmen wie auf Mallorca. Man nervt sich gegenseitig durch die dünnen Wände und da die meisten Bewohner dort Kinder haben sollen sollte man sich um eine ungestörte Mittagsruhe erst überhaupt keine Gedanken machen. Mit circa 7 Jahren fangen dann die meisten von diesen Kindern an Klavier oder Geige zu spielen. Das monotone Schreien eines Hinterhofes mit Migrantenkindern, die fußballspielend durch ihre Masse eine eigentlich angenehme Geräuschkulisse zu schaffen vermochten wird einem vielleicht dann ab und an fehlen? Man hat hier auch keine freie Sicht, sieht den Nachbarn, auch wenn man(n) ihn nicht gerne sehen will. Die meisten ausgewachsenen Frauen dort werden über 30 sein.

Noch sind die meisten gar nicht eingezogen. Aber man bekommt hier schon einen Einblick wie es sein wird: kaum Menschen auf den Straßen. Rechts ist bestimmt das Häuschen, in dem der Pförtner hockt und einen immer freundlich grüßt, wenn man zur Arbeit fährt oder von dort kommt. Das ist eigentlich sehr angenehm und vermittelt menschliche Wärme, vor allem wenn man diese bei sich privat vermißt. Die Frau, eingebunden in zahlreichen fixen Ideen, will am späten Abend etwa kein Bier mittrinken, sondern über Dinge wie „Umweltschutz“ und „Wie man sich für den Frieden in der Welt einbringen kann?“ etc. unterhalten. Man stößt einen stummen Schrei aus, ist froh, wenn die Kinder das mit der Geige nicht allzuernst und verbissen sehen und wünscht sich manchmal den netten Pförtner doch einmal mit nach Hause zum Biertrinken zu nehmen. Man würde sich sicher viel zu sagen haben.

Verschlimmert wird die Raumsituation dadurch, dass viele Mitbewohner (bei der räumlichen Enge mag dieses Wort einmal erlaubt sein) dicke Protzautos fahren. Man stelle sich vor, wie es sein wird wenn alle Wohnungen bezogen sind und dann morgens um 7:00 das Verkehrschaos, wenn alle zur Arbeit wollen? Gutverdienende Familien haben meistens 2 Autos und nimmt man die Anzahl der Balkons auf dem Bild mal zwei …
schrecklich

Das sind wohl die Behausungen der Privilegierten oder die, die sich so fühlen wollen. Kann gut möglich sein, dass das Maisonette-Wohnungen sind. Natürlich etwas für den gehobeneren Geschmack. Aber auch hier architektonisch alles im rechten Winkel und alles monoton geweißt! Wenn die Bäume größer werden, dann verdecken sie die Sicht auf die Häuser ein wenig, was vielleicht ganz gut ist. In solchen Gassen werden deutsche Kinder vergebens umherirren, um ihren ausländischen Freund zu suchen, von dem sie von ihren Lehrern immer hören, dass ihn jeder haben müßte. Das wird ihnen psychologisch so einen Knacks versetzen, dass sie nur so wie ihre Eltern werden können und eine neue Generation von Gutmenschen die Bühne der Gesellschaft betritt.
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Es gibt u.a. in den Staaten und Südafrika Diedlungen mit Security und bestimmten Regelungen, die Sicherheit garantieren sollen. Die Exklusivität wird in der Regel über die Kosten sichergestellt. Bedarf besteht meist in Ballungszentren und in Nähe von Siedlungsschwerpunkten des so genannten Prekariats.
In D wird es sowas wohl auch geben, wird aber nach meiner Kenntnis von den Linken gar nicht angefeindet. (Vielleicht wohnt ja der eine oder andere Linke vom Typ “SZ-Leser” dort und verfasst von dort aus seine gesellschaftlichen Analysen?)
Comment by Sky — May 14, 2008 @ on May 14, 2008 at 8:26 am.
Ja in Südafrika soll es ja auch so sein, dass Dich Schwarze einfach töten, wenn Du weiß bist, ein Auto oder ein schönes Haus hast. Klar, dass man dann Wagenburgen baut. Wobei es nach meinen Abschätzungen keine Security braucht, dass können ja auch die Bewohner: Streife laufen und gegen Eindriglinge vorgehen. In den Staaten soll dann auch der Gebrauch von Schußwaffen legal sein. Das würde dem Patriotismus der Deutschen ganz gut tun und vor allem das Gemeinschaftsgefühl der Bewohner stärken! Aber soweit sind wir noch nicht in Deutschland, auch wenn es die nächste Stufe zum kommendem Bürgerkrieg sein wird. Das war jetzt nicht frei von Sarkasmus.
Ich glaube aber, dass die Berliner Townhouses eher ein Versuch des neuen Marketings sind. Man zahlt mehr um sich ein wenig von “den anderen” abzugrenzen. Aber ich denke nicht, dass man was tolles dafür bekommt. Ich würde da wahrscheinlich nicht einziehen wollen, zumal man die Wohnung dort auch gleich kaufen muß. Luxus ist für mich auch frei begehbare Grünfläche mit Wäldern und Seen, aber keine ineinandergebauten Townhouses.
Comment by geisteswelt — May 14, 2008 @ on May 14, 2008 at 5:13 pm.