Es gibt nur eine politische Gewalt in Deutschland?
Der parlamentarische Geschäftsführer der Liberalen Jörg van Essen stellte die Tage folgendes fest (via):
Der Bericht des Bundesinnenministeriums zu extremistischer Gewalt ist außerordentlich beunruhigend. Es zeigt sich nun deutlich, dass die fast schon monopolartige Fokussierung auf rechtsextremistische Gewalt in der Vergangenheit ein schlimmer Fehler war. Das rächt sich nun! Es ist erschreckend, dass die Zahl der linksextremen Gewaltdelikte inzwischen höher ist als die Zahl der Gewalttaten rechtsextremer Straftäter. Unsere Gesellschaft darf nicht länger auf dem linken Auge blind sein.
Jetzt zeichnen sich Worte politisch aktiver Liberaler dadurch aus, zwar völlig vernünftig und richtig, realpolitisch jedoch völlig bedeutungslos zu sein. Es würde schon Mut dazu gehören offiziell darauf hinzuweisen, dass links-motivierte Gewalt nicht nur quantitativ, sondern vor allem auch qualitativ gegenüber der verteufelten “rechten Gewalt” absticht. “Rechte Gewalt” ist auch schon “falsche” Gedanken zu haben, während Linke in Dänemark, Hamburg oder ritualisiert in Berlin -jetzt wieder- am 1. Mai ganze Straßenzüge verwüsten können, ohne dass dies als irgendwie ungewöhnlich von den Medien wahrgenommen wird. Stellt man dagegen die ganzen Sebnitze der deutschen Medienindustrie, wo rechtsextreme Hintergründe, begründet von einer gewissen Erwartungshaltung der Medien, konstruiert wurden, ergibt sich nur ein Schluß: linke Gewalt nützt den Linken, da sie als normaler Protest gegen eine “berechtigte Ungerechtigkeit” gesehen wird. Rechte Gewalt nützt ihnen aber auch, da sie einen politischen Gegner vorgibt, gegen den man nur mittels Gewalt etwas unternehmen könnte.
Deshalb ist auch die “rechte Gewalt” so wichtig in der linken Selbstschau, da sie zur Rechtfertigung für die eigentliche Gewalt dient, und sie wird, auch wenn man eine Milliarde an Steuergelden in “Kampf gegen Rechts”-Programme steckt, niemals verschwinden, weil sie von bestimmten Kreisen immer wieder neu erfunden wird, - um sich selbst zu rechtfertigen. Früher waren es “Hexen” oder Ideen von der Niedertracht eines “Weltjudentums”, die die Bevölkerungen zum einen aufheizen, zum anderen aber auch einschüchtern sollten. Seltsamerweise ist es aber jetzt so, dass in linken Kreisen zu der obligatorischen Kapitalismuskritik wie selberverständlich, als wäre nichts gewesen, ein vorgeblicher “Antizionismus” sich gesellt und moderne Traktate dieser Art eine sehr seltsame inhaltliche Querfront zu bilden scheinen. Wahrscheinlich sind Nationalsozialisten klüger als man sie immer darstellt und -analog zum Fußball- flexibel genug, um es nicht immer über rechts zu probieren?






//Wahrscheinlich sind Nationalsozialisten klüger als man sie immer darstellt und -analog zum Fußball- flexibel genug, um es nicht immer über rechts zu probieren?//
Wie damals. Niemand hat die Nazis, als sie aufkamen, als “rechts” bezeichnet. Diese Einschätzung geht auf kommunistische Propaganda zurück, die das Bild erzeugen wollte, NS sei das komplette Gegenteil von Kommunismus. Und wenn der NS für das absolute Böse steht, dann muss der Kommunsimus ja für das absolut Gute stehen. So war’s gedacht.
Dabei behauptet der NS nicht wirklich etwas anderes, als der Kommunismus. Nach amtlicher Definition zeichneten sich rechtsextreme Ideologien dadurch aus, dass sie die “Gleichheit aller Menschen” verneinen. Aber das tut der Kommunismus auch. Er konstruiert Klassen und ordnet den Angehörigen der versch. Klassen Wertigkeiten. So muss die kapitalistische “Ausbeuterklasse” nach marxistisch-leninistischer Doktrin vernichtet werden. Was ist da also das Leben eines Menschen generell wert?
Comment by Marco — April 13, 2008 @ on April 13, 2008 at 10:19 am.
Das Leben eines Menschen ist da wahrscheinlich nicht sehr viel wert. Sozialismus denkt in Kollektiven und betont dann eher den Wert eines Menschen für das Kollektiv. Individualität bekommt da den Ruf des Ketzerischen.
Eigentlich ist deren Masche so, dass sie vorgeben zu wissen, dass ein anderer die meisten bedroht und man sich gegen diesen einen militant zur Wehr zu setzen hat. Wenn dies gelingt, dann hat die Destruktivität dieser Leute freie Bahn und lebt sich in fürchterlichen Verbrechen aus.
Kennzeichen für die Gefährlichkeit eines solchen Menschen ist der Grad, in wie weit er seinen Gegner hasst. Das ist sozusagen ein Spiegel für einen. So gut wie sozialistische Eliten das Volk ausgebeutet haben, konnten es die Kapitalisten niemals in die Tat umsetzen …
Comment by geisteswelt — April 13, 2008 @ on April 13, 2008 at 10:46 am.
M.E. gibt es nur wenig rechte Gewalt, die Statistiken sind geschönt bis zum geht nicht mehr. Wer heutztage mit Ausländern aneinandergerät, was vglw. schnell passieren kann, es sind unsere besonderen Freunde, die Moslems gemeint, kann als pol. motivierter Gewalttäter eingeordnet werden, ein “Scheisstürke” reicht als Antwort auf erfahrene Schmähungen. “PMK -r” ist hier das Zauberwort, Polizisten ordnen dann oft gegen ihre eigene Überzeugung die “Tat” als rechte Gewalt ein.
Rechts- und Linksradikale sind Brüder, das Führerprinzip verbindet und der Hass auf das Gegebene. Obs jetzt Genossen oder Volksgenossen sind, das tut sich nicht viel.
Die Rechten sind i.p. Sozialismus aber nicht sehr konsequent, bekennen sich bspw. wie die NPD zur Marktwirtschaft oder sägen auch schon mal den eigenen sozialistischen Flügel ab. Die Linksradikalen (”hübsch” hier bspw. Aussagen der gegenwärtigen JuSo-Vorsitzenden) setzen sich mit ihrem international gehaltenen Sozialismus hier recht deutlich ab.
Allerdings kommen Rechte und Linke nie so recht zum Zuge, die sind eingebettet im System, ich würde mir eine intensivere Betreuung der Linken wünschen, aber die wird auch bdfw. wieder kommen, wenn die Gewalttaten konkreter werden.
Wesentlich gefährlicher als die beiden o.g. Gruppen, die nur zersetzend und destruktiv tätig sind, natürlich die Moslems. Wenn die ein wenig Morgenluft schnuppern, dann kann es richtig stressig werden. Lange nichts mehr gehört von den Brüdern, klappt wohl nicht so recht mit dem Terror in Europa, m.E. müssen die erst noch Massenvernichtungsmittel auspacken bis die eine intensive Bearbeitung a la “PMK -I” erfahren werden. Man darf gespannt sein.
Comment by Sky — April 13, 2008 @ on April 13, 2008 at 11:30 am.
Die Rechten sind i.p. Sozialismus aber nicht sehr konsequent, bekennen sich bspw. wie die NPD zur Marktwirtschaft
Habe ich da etwas verpaßt? Zitat Parteiprogramm:
und positiv bekennt sie sich zu folgendem:
Quelle: http://partei.npd.de/medien/pdf/Parteiprogramm.pdf
By the way kann man sich auch mal das Banner der NPD-Seite anschauen:
http://www.npd.net/medien/titelimg/titel4.jpg
Das Mimikry zur PDS wird da nur allzudeutlich: Heinze, die “das Volk” symbolisieren sollen tragen ein tiefrotes Plakat auf dem in weißer Schrift steht: “Soziale Gerechtigkeit”, “NPD - Die Nationalen”, vergleichbar mit dem Begriff “die Linke”. Die NPD ist tiefrot wie große Teile der CDU. Adam Smith würden sie aus den Geschichtsbüchern verbannen und seine Bücher verbrennen.
Comment by geisteswelt — April 14, 2008 @ on April 14, 2008 at 9:00 pm.
Die NPD ist globalisierungskritisch, will Arbeitsplätze bevorzugt an Deutsche vergeben sehen und sieht den Arbeitsnehmer in sozialer Verantwortung, den Staat als Führer der Wirtschaft. Lehnt aber freies Unternehmertum explizit nicht ab. Ich würde sagen, dass die NPD für eine nationale protektionistische (”freie” oder auch “soziale”) MW steht, bin aber nicht sehr geübt in der Analyse von NPD-Parteiprogrammen.
Comment by Sky — April 15, 2008 @ on April 15, 2008 at 9:12 am.
Die NPD hat eigentlich keine außergewöhnlichen wirtschaftspolitischen Vorstellungen. Wenn man sich die Aufsätze von Frau Merkel durchliest (Presseticker Bundesregierung), wie sie sich die Wirtschaft vorstellt, dann ist ihr Gedankengut NPD-kompatibel. Die NPD ist also eine der sozialdemokratischen Parteien in Deutschland. Von einer explizit rechtsradikalen Partei erwarte ich aber Kontrapunkte im Programm, so wie das Einstehen zur Marktwirtschaft ohne den sozialen Appendix (der in Deutschland ja von der Verfassung vorgeschrieben ist). In meinen Augen ist die Soziale Marktwirtschaft ein Relikt aus der Kanzlerschaft Hitlers. Die Nationalsozialisten wurden direkt nach der Wirtschaftskrise in Deutschland stark und die NSDAP versprach den Leuten einen Volkssozialismus, der ihnen vordergründig natürlich mehr Vorteile verschaffen konnte, als ein freies Wirtschaftsystem. Heute wird dann immer so getan, dass das “Nazisystem” sehr unmenschlich war. Aber wenn man sich die Mühe macht Zeitquellen zu lesen (und überhaupt zu finden), dann wird man merken, dass die Gedankengänge damals wie heute ähnlich waren. Im antiglobalisierten Denken tritt im Keim wieder der alte nationalsozialistische Totalitarismus auf, der freien Systemkonzeptionen skeptisch bis feindlich gegenübersteht. Anstelle diesen wird defacto eine Planwirtschaft installiert, weil solche Köpfe sich nicht viel mehr als solches denken können, oder dieses andere in Verschwörungstheorien verbrämen, was kennzeichnend für sie selber ist. Am Ende wurden gläubige Nationalsozialisten selber der “häßliche Jude”, der alles unter Druck setzend die Weltherrschaft erlangen wollte. Da der Rechte ein verständiger Mensch ist, der aus der Geschichte lernen will, würde er planwirtschaftliche Konstrukte schon im Keim ersticken.
Was jetzt für Rechte gilt muß für dessen Steigerungsform, dem Rechtsextremen umso mehr gelten. So gesehen ist meine Überzeugung richtig, dass es in Deutschland ja überhaupt kaum richtige Rechte gibt oder diese geschickt von der Einheitspresse mit ihrer Wertnormierung verschwiegen werden.
Comment by geisteswelt — April 15, 2008 @ on April 15, 2008 at 7:16 pm.
Wenn Du mit “Rechten” Leute meinst, wie man sie bspw. bei den amerikanischen Republikanern antrifft, dann hast Du recht. Als alter Cowboy hätte bspw. ich - beste Eignungen und sprachlich/soziale Fähigkeiten vorausgesetzt - keine Chancen in D, das ist korrekt. Wir haben eigentlich streng genommen nur den Broder, der populär ist, gegen den Strom schwimmt und dabei auch noch dem Pressemüll kalt lächelnd standhält.
Dennoch finde ich Dein Bedürfnis “rechts” pos. zu besetzen sehr schlecht, nimm doch ein anderes Adjektiv. Da stehen genug zur Verfügung, muss ja nicht konservativ sein. “Liberal” hätte ich noch zu bieten oder “freiheitlich”.
Comment by Sky — April 15, 2008 @ on April 15, 2008 at 7:53 pm.
Exakt, wenn ich rechts sage, dann meine ich die GOP. Die ganze proamerikanische, deutschsprachige Blogosphere denkt so.
Was mich ärgert, nicht rechts sein zu dürfen, ist die Tatsache, dass der politische Gegner sein Linkssein bis in extenso ausleben darf, wie wir oben gesagt haben, es noch nicht einmal nötig hat, sich von der Gewalt seiner Chaoten glaubwürdig zu distanzieren.
Wenn man jetzt sagt, dass Linkssein unethisch ist und man sich davon deutlich abgrenzen will, dann würde man doch sagen, “klar ich bin rechts”! Aber auch dieser, sprachlich logische Schritt wird einem durch gesellschaftliche Sanktion versperrt, statt dessen muß man auf sprachliche Notbehelfe zurückgreifen, die sich nicht klar von dem Begriff “Links” abgrenzen. Alles in allem setzt man sich auch so nicht gegen den Begriff “Links” ab, was anscheinend durch diese Tabuisierung erreicht werden soll.
Für mich ist das nur logisch und wenn Logik hinter - was auch immer für Gründen zurücktreten muß, dann ist es ein Zeichen, dass etwas mit der Gesellschaft nicht stimmt.
Davon abgesehen ist “Rechts” natürlich an sich sehr inhaltsarm. Aber würde ich eine politische Kampagne in Deutschland starten, dann würde ich den Tabubruch einfach mal wagen das Deutungsmonopol der Linken in Frage zu stellen, - und zwar fundamental. Wenigstens ist es das Wert, dass die Leute einmal das Gefühl bekommen an der Wahlurne etwas entscheiden zu dürfen. Und eigentlich zeichnet auch genau das eine gute Demokratie aus: eine Wahl treffen zu können, um dann eben nicht mit allen dann Küngelkompromisse zu trefen. Dass von 6 Parteien im Bundestag ganze 5 sozialdemokratisch sind, kann ja eigentlich nur bedeuten, dass dort irgendeine Art von Inzucht betrieben wird?
Comment by geisteswelt — April 15, 2008 @ on April 15, 2008 at 8:44 pm.
Es gibt den internationalen Sozialismus (”links”) und den nationalen (”rechts”), zudem die Bärtigen (”islamistisch”) und einige andere Fantatrinker (”ökologistisch”, “anarchistisch”, “extrem-liberal” etc.).
Nun mag ich alle oben genannten Ismen nicht, vertrete jeweils die Gegenlinie, wäre also antilinks (besser antikommunistisch) oder antifaschistisch (besser antinationalsozialistisch).
Das pol. “Gegenteil” (wenn man das so nennen darf) von links ist nicht rechts, auch wenns unergonomisch zu sein scheint, aber neben den bereits genannten Problemen mit “rechts” ist es auch sachlich falsch.
Oder willst Du den nationalen Sozialisten oder den Halbrechten (wie der NPD, die ist ja nicht konsequent rechts und sozialistisch) die Eigenschaft “rechts” abjagen?
Bzgl. “rechts” (auch wenn Bush und Berlusconi heute wieder in linken Medien fälschlicher- und beleidigenderweise wieder so bezeichnet worden sind) ist da nix zu machen, da wohnt schon jemand (ein Bruder, der den Linken gar nicht so fern steht).
Comment by Sky — April 16, 2008 @ on April 16, 2008 at 8:51 am.
Bingo! So ist es, dass was heute als rechtsextrem gilt fliegt raus und wird als sozialistisch verortet. Du mußt Dich von der allgemein üblichen Semantik von “Rechts” freimachen. Ich denke “Rechts” bedeutet nicht vornehmlich National, sondern ist ein Junkbegriff, der eher als Drohung aufzufassen ist. Sei so oder so ober Du bist rechts! So geht doch das Spiel. Jeder, der sich das Schild “Ich bin rechts” freiwillig an die Brust pappen würde gelte als verrückt oder zumindestens nicht diskusfähig. Jetzt muß man bei jedem Gegner den neuralgischen Punkt finden und häufig findet man dies in den Sachen, die er tabuisiert. Rechts ist alles das, was der Linke mit Tabus belegt. Und wenn er auf Leute stößt, die es als ganz ok, quasi natürlich ansehen, von ihm als rechts angesehen zu werden, dann wird der Linke sogut wie nichts mehr ausrichten können. Außerdem wirken Tabubrüche gerade im Wahlkampf immer sehr belebend.
Ich muß diesen Punkt noch mehr überdenken und ein wenig besser ausformulieren, vergleiche ihn aber in seiner Kühnheit mit dem Morphy-Gambit (wirklich toller Artikel zu dem Link). Letztlich ist es bedeutend die Begriffe selber zu definieren und dies nicht dem Gegner zu überlassen. Die 68′er sind dadrin Experten und von ihren Methoden kann man diesbezüglich eine Menge lernen.
Comment by geisteswelt — April 17, 2008 @ on April 17, 2008 at 8:28 pm.
Kämpfe um die Semantik und die Vorherrschaft sind in der Stärke eine der Lieblingsbeschäftigungen der 68er gewesen. Auch untereinander.
Es gibt üblicherweise “Linguisten” und Fachleute, die in der Politik um die Plätze kämpfen, ersteren ist m.E. nicht nachzueifern.
Den Gambit-Text ziehe ich mir später mal rein, etwas busy im Moment…
Comment by Sky — April 19, 2008 @ on April 19, 2008 at 8:48 am.
Den Schach-Text habe ich nun gelesen, kann die Aussagen allerdings nicht bestätigen. Selbstverständlich sind viele gute Schachspieler bekloppt auf hohem Niveau. Kasparov m.E. auch, was daraus zu folgern ist, hmm, siehst Du Dich als Paranoia-Opfer?
Comment by Sky — April 24, 2008 @ on April 24, 2008 at 1:59 pm.
Würde ich mich primär als Opfer sehen wäre ich Sozialist geworden.
Aber um ein wenig auf das Niveau des Textes zu kommen wird ja gerade dort gezeigt, dass hervorragende Leute durchaus einen Hang zur Paranoia haben, bzw “normale” im Sinne von durchschnittlichen Leuten nicht die Energie aufwenden werden, Hervorragendes leisten zu wollen. Ich meine mit Paranoia hier eine Charakterstruktur und nicht die fulminante Paranoia, die der Psychose oft als Leitsymptom vorrangeht.
Im Grunde wollte ich aber nur auf das Morphy-Gambit anspielen, eine Eröffnung, die den Gegner in das Gefühl der Überlegenheit einlullt, um ihn dann urplötzlich zu schlagen. Ein feiner, ironischer Verweis, der vielleicht unsere Diskussionsebene gesprengt hat? Tut mir Leid.
Comment by geisteswelt — April 24, 2008 @ on April 24, 2008 at 7:17 pm.
Es gibt kein Morphy-Gambit in der geschilderten Form, gemeint vermutlich eine Variante des Königsgambits, die von Murphy angewendet worden ist, aber nicht seinen Namen trägt.
Comment by Sky — April 25, 2008 @ on April 25, 2008 at 10:50 am.
Morphy-Gambit: hier!
Comment by geisteswelt — April 25, 2008 @ on April 25, 2008 at 9:52 pm.
Glaub mir einfach, der Autor des Textes hat keine Ahnung:
“Er entwickelte die vielleicht aggressivste Eröffnung überhaupt, das nach ihm benannte Morphy-Gambit, bei der Weiß bereits im fünften Zug einen Springer und kurz darauf noch einen Läufer opfert.”
Sowat gibt es nicht, das was Du gefunden hast ist was anderes. Darauf hat sich der Autor nicht bezogen.
Lass Dich mal von einem Kenner beraten, ist ja nicht jeder omnikompetent, no prob.
Comment by Sky — April 25, 2008 @ on April 25, 2008 at 10:29 pm.
Aber in dem Beispiel (man kann mit den Pfeiltasten vorscrollen) zieht Weiß im 5. Zug das Pferd so, dass es vom schwarzen Läufer attackiert werden kann, danach im 6. Zug den Läufer, der dann vom Bauern angegriffen wird.
Journalistisch sind das die zwei unabhängigen Quellen, aus der man eine Meldung machen kann. Sicher zugegeben, das Morphy-Gambit ist im deutschen Sprachraum nicht verbreitet, aber das ist ja kein wirklich wichtiges Argument?
Den Autor Mathias Bröckers schätze ich zwar auch so ein, dass er die Zusammenhänge nicht immer richtig sieht, im einzelnen aber sehr detailversessen ist, was die Recherche anbelangt.
Comment by geisteswelt — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 8:19 am.
Wo hat Weiß denn im o.g. Gambit im 5.Zug einen Springer geopfert? Ausserdem wird Weiß auch keinen Läufer opfern.
Und zudem - Trara! - Schwarz spielt das Murphy-Gambit, also Schwarz hat einen Bauern geopfert.
Mit dem Bröckers möchte ich aber bzgl. Spielen aller Art nicht in einen Topf geworfen werden.
Comment by Sky — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 10:56 am.
In Zug 5 und 6 wurden Springer und Pferd bedroht. Ich begreife das Morphy-Gambit so, dass man jetzt Schwarz gewähren läßt und trotz des erlittenen Nachteils dann das Spiel gewinnt.
By the way: gibt es überhaupt Eröffnungen für Schwarz? Die werden doch meist aus der Weiß-Perspektive gedacht?
Comment by geisteswelt — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 11:04 am.
Es gibt auch Eröffnungen für Schwarz, auch Gambits.
Offensichtlich hat der Autor das Murphy-Gambit mit dem Musio-Gambit verwechselt, das einzige mir bekannte Gambit, das der o.g. Beschreibung entspricht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Muzio-Gambit
Hat Morphy einmal(!) gespielt, ist aber nicht auf ihn zurückzuführen, Fischer hats nie gespielt.
Die Schilderungen der Persönlichkeit Morphys (da weiss man sehr wenig) und Fischers haben mich nicht begeistert, Bröckers ist aber auch erklärter Nicht-Fachmann. Dennoch finde ich seine Fehler eigentlich unentschuldbar.
Comment by Sky — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 2:28 pm.
Du schreibst immer “Murphy-Gambit”. Das scheint aber ein SCIFI-Roman von Syne Mitchell zu sein.
Bei dem Morphy-Gambit halte ich immer noch daran fest, dass es sich um eine kleine Fußnote aus der Geschichte des Schachs handeln könnte. Schade eigentlich, dass mein Schach-Forum offline ist …
Comment by geisteswelt — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 2:56 pm.
Höre einfach auf den Meister.
(Oder frage einen Vereinsspieler oder analysiere selbst die Fakten - sofern Dir das möglich ist, LOL.)
Und in der Tat brachte ich Paul Morphy immer wieder mit Murphy’s Law durcheinander. Unbewusst natürlich.
Comment by Sky — April 26, 2008 @ on April 26, 2008 at 3:35 pm.