Hagen Rether und das Kabarett in der Endphase der BRD
Warum ich kein Kabarett mag? Nun ja: weil es in Deutschland eher belehrenden Volkspädagogikkursen gleicht und -verglichen zum Kinobesuch oder Zuhausebleiben- dafür auch recht teuer ist!
Warum ich kein Kabarett mag? Auch weil ich mir eventuell einen Hagen Rether anschauen müßte und ich dann eine der tragischen Gestalten im Leben werden würde, die Sicherheitskräfte pöbelnd und wild gestikulierend ans Freie tragen müßten. Würde wahrscheinlich Hagen Rether Spaß machen das anschauen zu können, deshalb laß ich es!
Andere finden Hagen Rether aber auch nicht so amüsant. Da wäre Clemens Heni in “Die Jüdische” der über den Kabarettisten Hagen Rether u.a. schreibt:
Einer der derzeitigen deutschen Trendkabarettisten hetzt gegen die USA, vergleicht die Demokratie mit dem Jihadismus und dessen Massenmörder Bin Laden und suggeriert in evangelischem Kirchentagston, dass die Muslime die Juden von heute und morgen seien. Jüdische Kritiker wie Ralf Giordano oder Henryk M. Broder sind seine Feindbilder. Er möchte weiterhin zartes Multikulti-Kuscheln. Ideologiekritik - und Religionskritik, welche immer der Beginn hiervon ist - sind pfui, solange sie nicht Christen oder Juden meinen. Das mag die ARD natürlich.
Der Blogger “Liza” mag Rehter übrigens auch nicht, aus denselben Gründen:
Rether merkte entweder gar nicht, welches antisemitische Klischee er da bediente, oder er nahm es bewusst in Kauf; die letztgenannte Möglichkeit ist bei einem, der Israel auch schon mal als „ganz normalen Apartheidstaat“ bezeichnet, zumindest nicht auszuschließen. Darüber hinaus zeugen seine in Deutschland und Europa so beliebte Gleichsetzung des Al Qaida-Führers mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und die Unterstellung, in den USA regiere seit 9/11 der nackte Wahn, von einem stupenden Antiamerikanismus, der für Rethers Programm allerdings elementar ist. Im Stile eines Redners auf dem evangelischen Kirchentag fuhr er schließlich fort: „Europa steht da, gelähmt vor Angst. Die Hosen voll und die Köpfe leer.“
Ein bißchen was von einem Joseph Goebbels hat Rether auch an sich… “Kuscheln mit Islamisten” und unsachliche Amerikakritik vorgetragen in einem schleimig, heuchlerischen Ton? Das hatte Goebbels auch ganz gut drauf… auch wenn Rether natürlich, wenn man von seiner Show mal absieht, wahrscheinlich ein ganz netter Kerl sein mag und diese ganzen Nazivergleiche mit der Zeit immer abgestandener werden.. so daß auch bei Rether das Publikum nur noch mühsam, artig (ja so ist das deutsche Publikum) lachen kann.
Bei Youtube gibt es einen Videomitschnitt von Rethers Show, ideologischer Unterbau einer jeder gutmenschlichen Lebensanschauung. Ist es Sarkasmus jetzt “Viel Spaß” zu wünschen?






Ich frage mich schon seit längerer Zeit, 1.) warum Menschen 1.) gegen die (so genannte) eigene “Bezugsgruppe” Stimmung machen und 2.) ob und 3.) warum dieser “Drang” scheinbar bei den Deutschen scheinbar stark ausgeprägt ist.
[Ich meine diese Fragen tatsächlich ernst, da dies, gegen die eigne Bezugsgruppe gerichtete Denken aus Sicht der Sozialpsychologie tatsächlich etwas irrational ist. Ich meine dabei nicht jene, welche der Volksmund “Quertreiber” oder aber “Dissidenten” nennt, sondern jene, welche man als “Netzbeschmutzer” bezeichnet.]
Mein persönlicher “Favorit” ist bislang der Pispers gewesen - könnte sein, daß dieser bald von Rether auf meiner persönlichen Abneigungsskala eingeholt wird.
Comment by Wilhelm Entenmann — January 8, 2008 @ on January 8, 2008 at 5:59 pm.
ich nenne das “negativen Nationalismus” oder “umgekehrten Nationalismus” oder die Hochnäsigkeit des durchschnittlichen Bürgers anderen etwas “freundschaftlich” sagen zu können, weil man ja “etwas aus der Geschichte gelernt” hätte.
Aus Sicht der Deutschen logisch, da Nationalismus zwangsläufig auf das 3. Reich anspielt und man stattdessen Europa oder gar die ganze Welt mittels der UNO als seine Projektionsfläche der Volksneurose nimmt. Im Prinzip minimiert der “negative Nationalismus” so wie der ursprüngliche Nationalismus den Zwang zur Selbstkritik und erschafft ein “Wir sind gut”-Gefühl. Mehr ist da wahrlich nicht hinter. So wir dieser Rether vor Selbstzufriedenheit geradezu trieft…
Bin gerade off… wahrscheinlich ein Kekskrümel, der irgendwie in das Laptop gekommen ist…
Comment by geisteswelt — January 11, 2008 @ on January 11, 2008 at 4:37 pm.
Mmmh, entweder habe ich Dich jetzt falsch verstanden oder aber Du hast mich soeben auf eine Idee gebracht:
Diese Leute möchten ihr Land eigentlich lieben, tun dies insgeheim vielleicht, aber können dies öffentlich nicht eingestehen(?).
Comment by Wilhelm Entenmann — January 12, 2008 @ on January 12, 2008 at 2:44 pm.
Vielleicht nicht falsch verstanden, sondern eher: du scheinst es vielleicht positiv zu sehen!?
Prinzipiell ist Gutmenschensprech qualitativ schon vergleichbar mit dem gemeinen Patriotismus: man muß nicht sonderlich nachdenken, sondern nur das sagen, was alle sagen… das süße Leben des Konformisten…
Comment by geisteswelt — January 16, 2008 @ on January 16, 2008 at 8:49 pm.
man seid ihr langweilig, das ist schlecht gemeinter sozialwissenschaftlicher unterricht
Comment by Anonymous — July 3, 2008 @ on July 3, 2008 at 8:00 pm.
das ist schlecht gemeinter sozialwissenschaftlicher unterricht
Nein, vielleicht schlechter sozialwissenschaftlicher Unterricht, soweit das im Auge des Betrachters liegt. Aber kein schlecht gemeinter! Sogar ganz im Gegenteil!
Comment by geisteswelt — July 4, 2008 @ on July 4, 2008 at 10:43 am.