Radikalität ist ein Bestreben Werte und Ideen, von deren Richtigkeit man überzeugt ist, möglichst total in der Realität umzusetzen oder eine Einstellung, die diese Werte gerne umgesetzt sieht. Das Dilemma in Deutschland ist, dass eine radikale rechte Gesinnung in einem pseudosozialistischen Einheitsglauben endet, der sich diametral von bürgerlichen Freiheitsvorstellungen unterscheidet. Die Extreme in Deutschland unterscheiden sich nicht in der Frage „Freiheit“ versus „Kollektivierung des Einzelnen“, sondern nur punktuell in der Auffassung über die Selbstauffassung eines kollektivierten Bürgers, nicht mit dessen Infragestellung. Für ein gesundes politisches Klima ist es also bedeutsam, den Begriff „Rechtsradikalismus“ neu zu fassen und ihn mit rechtsradikalen Verhältnissen anderer Demokratien kompatibel zu machen.
Historischer Patriotismus in Deutschland
Patriotismus wird immer als „Vaterlandsliebe“ bezeichnet. Für einen Deutschen gibt es aber in dieser Beziehung Probleme aus historischen Gründen. Das „deutsche Volk“ ist ein Konstrukt aus dem späten 18. Jahrhundert. Im Vergleich zu anderen Nationen also ein sehr junges Gebilde. Über das gesamte Mittelalter gab es zwar ein „Heiliges Römisches Reich“, dessen einzelnen Fürstentümer und Grafschaften weitgehend souverän waren. Ebenso umspannte das „Heilige Römische Reich“ viele Volksgruppen, die sich nicht als zusammengehörig empfanden. Also gab es sehr viele deutsche Nationen, die sich nur in ihre Sprache (mehr oder weniger) miteinander verbunden fühlten, deutlich gesagt: es gab keine allumfassende deutsche Nation!
In den frühen Tagen des zweiten, nationalstaatlichen Reiches wurde versucht einen deutschen Nationalmythos zu bilden. Man bezog sich da auf Gegebenheiten zu Zeiten der Römerherrschaft und idealisierte Hermann den Cherusker zum Vorkämpfer für die damalige zu bildende gesamtdeutsche Nation. Tatsächlich waren aber all die gesamten Germanenstämme nie ein einziges Volk, sondern bildeten ihre eigenen separaten Siedlungsgebiete und dieser Separatismus zog sich hinein in das politische Gebilde des Ersten Deutschen Reiches.
Mit einigem Recht kann man sagen, dass alle Versuche die deutschen Nationen zu einer zu machen immer in Katastrophen endeten. Der erste Weltkrieg, auch wenn man die Kriegsschuld nicht nur auf deutscher Seite zu suchen hat, ging aber mit dem Versuch einher Europa in bezug auf diese neue deutsche Nation umzugestalten. Der zweite Weltkrieg war diesbezüglich noch deutlicher.
Das „deutsche Wesen“, was diesem gesamtdeutschen Bemühungen zugrunde lag, kann man als zwanghaft autoritätsgläubig, intolerant und freiheitsfeindlich bezeichnen. Dies hat sich bis in unsere Tage auch so gehalten hat, was bloß nicht mehr so ins Auge fällt, weil Deutschland weltpolitisch keine große Rolle mehr spielt und so wenig Schaden anrichten kann. (1)
Deutscher Patriotismus ist also in seiner gesamten Ausrichtung diametral dem rechten Freiheitsbegriff des Einzelnen entgegengestellt. Der deutsche Nationalismus bildete keine Staaten, in dem jeder für sich sein Glück suchen oder besser verwirklichen konnte, sondern totalitäre Konstrukte, in dem jedem sein Platz zugewiesen wurde, sich keine freie Meinung machen durfte, das System als solches nicht in Frage zu stellen hatte. Wir sehen, wenn wir uns fragen, was „Rechtssein“ bedeutet, dass dieser speziell geartete deutsche Patriotismus es eigentlich unmöglich macht rechte Standpunkte populär werden zu lassen, wir werden dann auch sehen, dass das Phänomen des sog. Rechtsextremismus in Deutschland kein wirklicher Rechtsextremismus sein kann.
Definition von Patriotismus
Patriotismus im rechten Sinn ist demnach kein Bekenntnis, sondern eine praktische Einstellung, die sich den Mitmenschen nützlich machen will, ganz unabhängig davon, was man dafür später bekommt. Moralisch unterscheidet sich der rechte Patriotismus von der linken „Solidarität“ dadurch, dass „Solidarität“ meistens von anderen für sich selber gefordert wird. Der Linke fragt also „was können andere für mich tun?“ während der Rechte fragt „was kann ich für andere tun?“, „nicht um meines Vorteils Willen, sondern aus tiefster Überzeugung“. Er weiß sehr genau, dass moralische Entscheidungen keine mehr sind, wenn man sie nicht mehr selber treffen kann, sondern dazu „von weiser Hand“ gezwungen werden soll. Demnach gibt es keinen Zwang zum Patriotismus, wie es aber hingegen sehr wohl einen Zwang zur „Solidarität“ geben soll, so wie es deren Anhänger immer lebhaft fordern. Patriotismus ist demnach eine Lebenseinstellung, die anpackt, wenn Not am Mann ist, die gibt und nicht fordert, wenn es mal wieder was zum verteilen gibt. Patriotismus ist aber nicht etwas, womit man angibt, wenn man meint es zu besitzen so wie man seine „Solidarität“ vorzeigt. Deutscher Patriotismus steht demnach über dem gemeinen Nationalismus, häufig sogar diesem entgegen, da deutscher Nationalismus keinen Freiheitsbegriff hervorbrachte, diesen für gewöhnlich sogar auf das Schärfste negierte.
(1) Diesbezüglich sind Deutschlands Bestrebungen einer europäischen Einigung, gar die Errichtung einer Weltregierung unter „ökologischen Vorwänden“ interessant zu sehen. Bescheren sie der Welt doch genau das, was das deutsche Wesen immer als ihr gerechtes Schicksal empfand: einen straffen, autoritären Zentralstaat, der mehr bedeutet als die Summe seiner Teile, sprich seiner einzelnen Bürger. Hegel drückte es ganz am Anfang so aus, dass sinngemäß der Staat ein Gebilde für sich sei, der Bürger diesem zu dienen hätte. Genau das ist gemeint mit deutschem Wesen.