GeistesWelt

November 21, 2007

Metzger hat fertig!

Filed under: Baden-Württemberg

Der Grünen-Politiker Oswald Metzger hat genug von seinen Parteikollegen! Es sprach seinen Frust in wie folgt von der Seele: viele Sozialhilfe-Empfänger sähen “ihren Lebenssinn darin, Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen”

Es folgte eine Breitseite seiner Parteifreunde, zusammenfassend dafür belehrte ihn Betroffenheitsexpertin Roth er “sollte sich wirklich schämen”. Er denkt aber gar nicht ans Schämen und legt noch einmal nach: “Ich bleibe bei meinen Äußerungen, aber das ist keinesfalls ein Pauschalurteil. Bei manchen Sozialhilfe-Empfängern in der zweiten oder dritten Generation gibt es eine Antriebsarmut von klein an.”

Hintergrund ist wahrscheinlich ein kommender Beschluß der Grünen zu dem so genannten bedingungslosen Grundeinkommen, das Metzger für Augenwischerrei hält: “Diese Ideen klingen toll und erfreuen alle Gutmenschen, insbesondere auf Grünen-Parteitagen. Doch wir gaukeln hier vor, dass ein Einkommen für alle ohne Gegenleistung möglich wäre.” Für die Realpolitik seiner Partei bedeute der Beschluss zum Grundeinkommen eine Rolle rückwärts. Mit einer solchen Positionierung schlüpften die Grünen in die Rolle der Linkspartei. Auch Oskar Lafontaine verspreche das Blaue vom Himmel.

Metzger, einziges Mitglied der Normalo-Fraktion der Grünen, überlegt sich jetzt seinen Ausstieg aus der Partei. Laut PI gibt es aber schon aussichtsreicheren Politnachwuchs, der besser konzeptionell zu den Grünen paßt… Vielleicht bloggt jetzt Metzger wieder mehr? Das wäre wieder wirklich eine Bereicherung!

11 Comments »

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  1. Wobei das Bürgergeld aber OK ist. Natürlich nur, wenns alle bekommen und der Sozialstaat auf dieses beschränkt bleibt, also keine Sozialfuzzies mehr.

    Bürgergeld als Grundsicherung käme wesentlich billiger als das was wir jetzt haben.

    Comment by Hamster — November 22, 2007 @ on November 22, 2007 at 11:35 am.

  2. Exakt das muss in der Marktwirtschaft möglich sein:
    Ein bedingungsloses existenzsicherndes Grundeinkommen (in geringer Höhe also) für alle!

    Comment by Hamster — November 22, 2007 @ on November 22, 2007 at 11:37 am.

  3. Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen dem Bürgergeld und dem “bedingunslosen existenzsicherenden Grundeinkommen”?

    In einer Marktwirtschaft ist alles an Bedingungen gebunden und gerade die Feststellung der Höhe des Grundeinkommens würde einen bürokratischen Apparat benötigen, der per se nicht marktwirtschaftlich, sondern eine Ausgeburt der Planwirtschaft wäre.

    Ich persönlich sehe es so: wenn der Drang entfällt seine Existenz zu sichern, dann kann eine Marktwirtschaft auch nicht mehr effektiv sein. Wenn ich die Wahl hätte dies oder das zu tun oder auch zuhause in der geheizten Stube zu sein, dann entfällt der Anreiz zur Arbeit und ich bringe mich nicht mehr in die Wirtschaft ein, die aber mein Zuhause finanzieren soll… Das klingt unlogisch und warum sollte man Produktivkräfte dem Markt so entziehen, gerade wenn andere Nationen im Vergleich zur deutschen Volkswirtschaft immer produktiver werden?

    Pauschal gesagt: “Bedingunsloses existenzsichernde Grundeinkomen” ist eine Wohlfühlfloskel, die das Gefühl der Machbarkeit des deutschen sozialmarktwirtschaftlichen Sonderweges vermittlen soll, aber gerade dieser Sonderweg ist mit Zusammenbruch des Wirtschaftwachstums der BRD an seine Grenzen gelangt.

    Comment by geisteswelt — November 22, 2007 @ on November 22, 2007 at 7:53 pm.

  4. Also, es ist so, dass es Bedürftigkeit gibt, diese kann nicht ignoriert werden. Darum sind Sozialtransfers erforderlich. Die Höhe derselben sollte sehr gering sein, eben nur die Gesundheit absichern, das Wohnen und die Ernährung. Unwichtig ist die Bildung, diese gibts mittlerweile gratis.

    Die Probleme entstehen jetzt, wenn “geprüft” wird, was in der Praxis heisst, dass Sozialfuzzies Arbeit generieren und natürlich Aufwände und Ungerechtigkeit.

    OK, interessant noch die Frage, ob Grundsicherung nicht den Lebenswillen der Bev. unterminiert. Nö, das glaube ich nicht, die Marktwirtschaft sollte schon so stark sein die paar Kröten für die “Punks und Bedürftigen” abzudrücken.

    Ich sehe übrigens keine Alternative zu einem bed. Grundeinkommen, mit prüfenden Sozialfuzzies wird das nicht lange gut weitergehen. Die machen auch die Umgangskultur kaputt.

    Comment by Hamster — November 23, 2007 @ on November 23, 2007 at 6:55 am.

  5. Also, es ist so, dass es Bedürftigkeit gibt […]. Darum sind Sozialtransfers erforderlich. Die Höhe derselben sollte sehr gering sein, eben nur […] Gesundheit […] das Wohnen und die Ernährung [abzusichern]. Unwichtig ist die Bildung, diese gibts mittlerweile gratis.

    Bedürftligkeit für sich wäre ein Grund einen Gegenwert zu produzieren, der der Gesellschaft genug wert ist die Bedürftigkeit zu mindern oder umzukehren. Dadurch, dass dieser Gegenwert entfällt wird weniger Leistung erbracht, als in einem marktwirtschaftlichen System möglich wäre, schlimmer noch die Erträge produktiver Menschen werden zur Finanzierung dieser Transfers benutzt, also wird deren Leistung systembedingt entwertet.

    In gewissen Graden ist ein Transfersystem ja sicher verkraftbar und zu Zeiten eines deutschen Wirtschaftswunders stellte keiner die Systemfrage. Bloß wird nicht mehr überdurchschnittlich erwirtschaftet, Deutschland hat ja mittlerweile im Europavergleich nur noch einen Platz im Mittelfeld, Tendenz stetig fallend und erlebt einen Boom an arbeitsfähigen Auswanderern, die woanders mehr Perspektive sehen, als hier ihr demographisches Erbe anzutreten, das genau so aussieht zwei Rentner mit ihren Transferzahlungen durchfüttern zu müssen.

    Aus der Perspektive erscheint der Anspruch Gesundheit, Wohnen, Nahrung und Bildung (!) für nichts “zur Verfügung” zu stellen nicht realistisch. Er scheitert einfach an den ökonomischen Realitäten, da die es finanzieren müssen dorthin gehen, wo man ihnen weniger nimmt oder die BRD ihre Staatsanleihen nicht mehr los bekommt und pleite geht. Allein schon das Gesundheitssystem der BRD verschlingt Unmengen und keiner wagt es dort die Notbremse zu ziehen.

    Die Frage stellt sich: wir haben doch schon so einen Verteilungsstaat, warum überhaupt neue Verteilungsideen? Schützt diese Ideenflucht vor dem Augenöffnen?

    Deine “prüfenden Sozialfuzzies” bekommst Du übrigens niemals weg. Die Leben von solchen Systemen, in denen immer mehr eingezahlt als umverteilt wird. Gegen Malaria hilft nur den Sumpf trocken zu legen! Für die Umgangskultur förderlich halte ich für jeden Euro, den man bekommt, auch gearbeitet zu haben, auch wenn man nicht viel verdient, behält man so wenigstens noch seinen Selbstrespekt!

    Comment by geisteswelt — November 23, 2007 @ on November 23, 2007 at 2:00 pm.

  6. Mit Bedürftigkeit waren Menschen gemeint, die sich alleine nicht helfen können, denen demzufolge geholfen werden muss, wenn man deren Ableben nicht in Kauf nehmen möchte.

    Unser Zivilisationsstand ist mittlerweile so hoch, dass diese Bedürftigkeit auch bearbeitet werden kann, die Nahrungsmittel bspw. sind sehr billig, Bildung gibts gratis im Internet (eine immer noch unterschätzte revolutionäre Entwicklung) und Wohnen muss auch nicht teuer sein. Das Gesundheitssystem ist verhunzt, da müssen Hamster ran. ;)

    Und das einzige Problem das ich sehe ist der prüfende Sozialfuzzie, der bekanntlich nie Gerechtigkeit im Sinne von Richtigkeit schafft. (Von sog. Sozialpolitikern ganz zu schweigen, der “soziale” Bereich muss weggehauen werden. Das wiederum geht nur - Trara! - mit dem antimetzgerschen Bürgergeld, LOL.)

    Comment by Hamster — November 23, 2007 @ on November 23, 2007 at 5:19 pm.

  7. Gut Väterchen Hartz läßt keinen verhungern und die Gesundheitsversorgung gibt es da auch frei Haus.

    Viele fühlen sich anscheinend trotzdem psychisch gemobbt oder sind einfach sauer, vielleicht weil sie sich nur noch den billigen Whiskey leisten können.

    Das ist anscheinend ein Problem, was auf höchster Ebene politisch gelöst werden muß und die Parteien zaubern Wohlfühlphrasen aus dem Hut wie “bedingungsloses Grundeinkommen”! Allein schon der Name!!

    Die Hartzer maulen doch, dass ihre Sozialleistungen mittlerweile an Bedingungen geknüpft sind, auf die sie keinen Bock haben… Wer sammelt auch schon gerne Müll im Park auf? Das soll jetzt gestrichen werden, “Du bekommst Deine Kohle, auch wenn Du Dich nicht bemühst!” und dann soll es auch eine deftige Erhöhung von deren Bezüge geben. Irgendwie erinnert mich das an das alte Rom, in dem die Plebejer nicht mehr arbeiten brauchten und mit “Brot und Spielen” bei Laune gehalten wurden.

    Und ja die Politiker machen das auch nur, damit sie bei der nächsten Wahl gewählt werden… das ist Stimmenkauf mit dem Geld der Leuten, die sie eh nicht wählen!

    Ich bekomme übrigens immer zu hören ich wollte die “Menschen auf der Straße” verhungern lassen, nur weil ich den Sozialstaat ablehne. Das ist so in der Art der damaligen Gewissenprüfung bei der Wehrdienstverweigerung.

    Aber es ist doch so, dass dieses Totschlagargument benutzt wird um wenige Schwache, Hilflose zu instrumentalisieren, um die überwältigende Mehrzahl der Nutznießer des Sozialstaates, die arbeitsfähig ist, zu legitimieren.

    Ich denke es würde keiner in Deutschland verhungern, es gibt doch genügend Gutmenschen, die sich doch auch mal karitativ einbringen können… Durch die staatliche Zwangsbeglückung sind ja selbst diese Gutmenschen irgendwie beschäftigungslos geworden… auf jeden Fall jedoch aproduktiv.

    Comment by geisteswelt — November 23, 2007 @ on November 23, 2007 at 6:46 pm.

  8. Nur eine Frage noch:
    Bin ich soweit verstanden worden, dass das Bürgergeld die Abschaffung des Sozialstaats bedeuten könnte? (Zudem weise ich auf das Einfachheitsprinzip hin, das ja bekanntlich nicht nur in der Philosophie (Ockhamsche Messer etc.) sondern auch im Ingenieurswesen (und in der Wissenschaft generell natürlich) z.H. ist. Allerdings nicht oder nur in geringem Umfang in der (deutschen) Politik, LOL.)

    Comment by Hamster — November 24, 2007 @ on November 24, 2007 at 9:16 am.

  9. So, die Gefahr, dass die Grünen mal wieder etwas Vernünftiges beschliessen, ist gebannt:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,519444,00.html

    Comment by Hamster — November 24, 2007 @ on November 24, 2007 at 4:19 pm.

  10. Du hast dies angedeutet. Soweit ich begriffen habe, muß ich mir das Bürgergeld wie eine negative Einkommensteuer vorstellen. So ein Pauschalsystem würde aber niemals in Deutschland Wirklichkeit werden können, zu einfach um wirklich “sozial gerecht” zu sein.

    Comment by geisteswelt — November 25, 2007 @ on November 25, 2007 at 8:57 pm.

  11. @Geistie:
    Ja, richtig, ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe es für jeden und es wäre einfach und natürlich auch billig (vgl. mit unserem “Sozial”-System mit den prüfenden Fuzzies).
    Das ist ja gerade der Knaller, dass die Grünen das als Thema in den Händen halten. Vermutlich mdst. 99% der Bev. haben die Thematik nicht verstanden, vermutlich auch 99% der Grünen und Metzger sowieso nicht.

    Comment by Hamster — November 26, 2007 @ on November 26, 2007 at 2:43 pm.

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