Verschwörungstheoretische Paranoia im ZDF?
Die am 11. Septemer 2007 im “ZDF” ausgestrahlte Sendung “Der 11. September 2001 - Mythos und Wahrheit” von den Filmemachern Michael Renz und Guy Smith gilt allgemein als tendenziöser “Verschwörungstheoretikerfilm”. Schaut man sich ihn aber mal an,
dann ist das Urteil “tendenziös” sicher nicht treffend. Richtig ist, es werden Thesen der Verschwörungstheoretiker gebracht, aber keine einzige wird belegt, sondern eher alle Thesen von diesen Leuten werden widerlegt.
Besonders peinlich der deutschsprachige Andreas von Bülow, der meinte kein Flugzeug wäre in das Pentagon geflogen, man hätte doch Leichenteile finden müssen! Jetzt der Gegenzeuge und damals Helfer vor Ort: “Wir fanden im Inneren des Pentagons die Leichen der Passagiere und Besatzung”. Als das also keiner mehr von Bülow glauben wollte und auch gesagt worden ist, dass auch Flugzeugteile, die sogar zu der Airline der gekaperten Maschine passten, gefunden worden sind (1), meinte dieser von Bülow dreist “Die hätte ja man auch so dahin bringen können!”
-Absolut peinlich der Mann, der dann auch frei heraus zugibt, keine genaue Ahnung zu haben, wann der Stahl des WTC schmelzen hätte müssen aber auf jeden Fall nicht bei den Temperaturen, die zwei läppische Flugzeugexplosionen erzeugt haben mögen… Auch hier wird er von Experten im Weiteren aufgeklärt.
Ich bezweifele, ob von Bülow hier in diesem Film irgendeinen Punktsieg erringen konnte, er gab den Experten die Bühne aufklärend aufzutreten durch einen Sumpf von wüsten Anschuldigungen und paranoiden Wahnideen.
Der Anfang des Filmes ist sicher reißerisch und bedient scheinbar die Bedürfnisse der Verschwörungstheoretiker, aber dass dann im Laufe des Films immer deutlicher wird, dass kein “namenhafter” Verschwörungstheoretiker sich wie zB von Bülow die Mühe macht Augenzeugen zu befragen (2) oder einfach das Wahrscheinlichste mal wahrscheinlich sein zu lassen (3) als andere Alternative nur auch für einen Moment ernstlich in Erwägung zu ziehen, all das spricht doch Bände gegen solche Leute.
Die Dokumentation ist nicht schlecht, journalistisch sogar sehr gut und sie greift Verschwörungstheorien auf, um sie später zu widerlegen. Insgesamt wird so ein schöner Spannungsbogen geschlagen und sorry von Bülow kommt einem am Ende nur noch wie ein halsstarrer Depp vor, womit er wahrscheinlich auch recht treffend charakterisiert wäre.
(1) leugnet natürlich von Bülow auch!
(2) als einfacher Verschwörungstheoretiker muß er das nicht, aber wenn er Bücher darüber schreibt, wäre es doch schon wünschenswert?
(3) Dass die USA von dem Terroranschlag einfach überrascht worden sind, so wie Matihas Rust die Russen überrascht hatte.






Dank GeistesWelt-TV habe ich mir jetzt diese viel gescholtene TV-Doku endlich auch einmal angeschaut.
Ich bezweifle, daß der allgemeine TV-Zuschauer, welcher das Vorgekaute mag bzw. sich lediglich an Schlagzeilen festbeißen und erinnern mag, das Spiel von Aufstellung einer Hypothese und nachfolgender Überprüfung zu verfolgen bereit oder auch nur fähig sein mag.
Sehr viele Zuschauer/innen werden lediglich die Thesen der Verschwörungstheoretiker, also der US-feindlichen Cyberfraktion in Erinnerung behalten haben.
btw. ein “neues Spielzeug”:
http://stage6.divx.com/
Anmerkung: Ich habe sehr bewußt einmal “Hypothesen” und einmal “Thesen” geschrieben.
Comment by Wilhelm Entenmann — September 15, 2007 @ on September 15, 2007 at 2:58 pm.
Zustimmung! Die Reportage stellt höhere Ansprüche an den Zuschauer, erst einmal die Thesen im Raum stehen lassen zu können, zum anderen aber dann auch die Bereitschaft sich mit nachfolgenden Hypothesen/Fakten wieder kritisch mit den Anfangsthesen auseinanderzusetzen. In wie weit das deutsche Publikum dazu in der Lage ist sei mit einen Verweis auf einen Artikel von “Davids Medienkritik” dahingestellt.
Wahrscheinlich hat auch Andreas von Bülow selber nicht einmal gemerkt, wie die Dokumentation ihn entlarvt und ist wahrscheinlich stolz wie Oskar zur Primetime gegen “den Bush und so” hetzen zu können. Aber diesen Leuten kann man auch nicht helfen, selbst wenn man alle Beweise der Öffentlichkeit publik machen würde, so wären sie wahrscheinlich auch gefälscht und was Wahrheit ist, wissen nur die Verschwörungstheoretiker, wer auch sonst?
Irgendwie erinneren die mich an UFO-Gläubige, die schon ähnliche “Beweisketten” verwendeten, um ihr Weltbild zu stützen…
Comment by geisteswelt — September 16, 2007 @ on September 16, 2007 at 9:50 pm.
Nachtrag zu zu Stage6:
Hat etwas gedauert, dass ich dort ein ganzes Video (Musikviedeo von 3 Minuten!) als Test runtergeladen hatte, aber es sollte sich gelohnt haben! Videoqualität wie Ton sind ja besser als im Fernsehen….
Danke!
Comment by geisteswelt — September 16, 2007 @ on September 16, 2007 at 10:56 pm.