GeistesWelt

May 28, 2007

Deutsche Verhältnismäßigkeiten

Hannover vor nicht allzulange: Auslöser soll ein Streit gewesen sein, nachdem der 24-jährige gebürtige Pole an einem Imbiss herumgepöbelt hatte, wie die Polizei mitteilte. […]

Nach bisherigen Ermittlungen soll der in Hannover lebende Pole […] mit dem 25-Jährigen einen Streit angefangen haben. Dieser rief offenbar seinen 32-jährigen Bruder zur Hilfe, der dann mit weiteren Männern den Angetrunkenen verfolgte. Laut Zeugen haben vier junge Männer auf den 24-Jährigen eingeschlagen und eingetreten und den Mann regelrecht die Straße entlang getrieben. […]

Der Angetrunkene erlitt schwere Kopfverletzungen und konnte von Rettungskräften auf dem Gehweg zwar reanimiert werden. Er starb jedoch kurz darauf im Krankenhaus.

Was lernen wir aus der Berichterstattung, hier Ausschnitte der Nachrichtenagenturmeldung bei “Zeit Online”?

  • es kann sich um keinen “rassistischen Hintergrund” hier handeln, denn bei den Tätern handelt es sich offenbar nicht um Deutsche (”großen Bruder holen” und obligatorisches Auftreten in Horden). Würde ein “rassistischer Hintergrund” vorliegen, würde die Bundesgeneralanwältin ermitteln und die Presse laut artikulieren, was sie schon immer wußte.

  • da es sich um keinen “rassistischen Hintergrund” handelt ist die Tat “verhältnismäßig”. Schon gleich zu Anfang wird klargestellt, dass das Opfer anscheinend “provoziert” habe. Die Frage der Verhältnismäßigkeit der Reaktion wird nicht gestellt.

  • Das ganze wird seinen normalen Weg gehen: der Tote schnell vergessen, wenn er beerdigt ist und die Täter (weil sie ja verhältnismäßig handelten) bald wieder auf freien Fuß. Persönliche Konsequenz für den Bürger: sich benehmen am Dönerstand und bloß nicht “provozieren”. Sonst könnte es ins Auge gehen!

3 Comments »

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  1. Dieser Vorfall ist ein Indikator, wie weit sich die Gesellschaft in Deutschland seit dem Dritten Reich weiterentwickelt hat, naemlich gar nicht. Auch damals waren Polen Untermenschen und Islamofaschisten unsere Freunde. Deutschland war und ist ein rotbrauner Sumpf.

    Comment by Blog-Kommentar — May 30, 2007 @ on May 30, 2007 at 4:54 am.

  2. Die Parallele mit Polen und deren schlechten Stand im Wertebild der deutschen Gesellschaft habe ich so klar hier noch nicht gesehen… hätte man gut in die Argumentation einbauen können….

    Schlimm ist es, dass Täter geschützt werden. Der Name wird geheim gehalten und was später beim Urteil rauskommt wird nicht groß erwähnt werden. Totschlag im Affekt… vielleicht ein Jahr, dann Bewährung? Verdammt wenig dafür ein Menschenleben vorsätzlich ausgelöscht zu haben… Und die Täter lachen nur noch über den Zirkus, der mit ihnen veranstaltet wird.

    Comment by geisteswelt — May 30, 2007 @ on May 30, 2007 at 11:59 am.

  3. Die ‘liberale’ Fuersorge gegenueber Verbrechern in Deutschland ist kein Zufall. Somit ist gewaehrleistet, dass auch Personen des oeffentlichen Lebens (Politker, Wirtschaftsbosse, Promis, etc.) mit milden Strafen rechnen koennen und nicht einmal das Ansehen leidet. Der Gleichheitsgrundsatz macht das moeglich.

    Hier in den USA muss man mit einer Mordanklage und im Falle einer Verurteilung mit der Todesstrafe (oder lebenslaengem Freiheitsentzug) rechnen, wenn man sich alkoholisiert an das Steuer setzt und jemanden dann mit dem Fahrzeug toedlich verletzt.

    Auch erwaehnenswert, die Mindeststrafe fuer Kinderschaender ist in ueber 40 Bundesstaaten auf 10 Jahre ohne Bewaehrung festgeschrieben und kann bis auf 25 Jahre ausgedehnt werden.

    Naja, fuer Kinderschaender sollte man die Todesstrafe verhaengen. Dann ist wenigstens sichergestellt, dass der/die Taeter/in kein weiteres Kind schaendet! Ja, ich weiss, in Deutschland werden nur Maenner wegen Vergewaltigung zur Rechenschaft gezogen. Hier gelten die Gesetze aber fuer alle! Frauen bekommen keinen Bonus!

    Natuerlich kann es auch hier passieren, dass jemand ungeschoren davonkommt (siehe O.J. Simpson). Gut, Geschworene lassen sich auch manchmal von Verteidigern in die Irre fuehren. O.J. ist auf jeden Fall gebrandmarkt und muss immer damit rechnen, dass jemand zu ihm sagt: ‘Verlassen sie dieses Geschaeft/Restaurant! Sie werden hier nicht bedient!’

    Comment by Blog-Kommentar — May 30, 2007 @ on May 30, 2007 at 5:51 pm.

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