Filbinger - Müßen Gegner der Nazis immer Helden gewesen sein?
Vielleicht neigen demokratische Gesellschaften in denen das Primat der Mehrheit und nicht der Klasse herrscht dazu nur durch Polarisierungen Wahrnehmungsmuster zu bahnen und damit zu einer normierten Meinung zu kommen, die in Endphasen solcher Gesellschaften die klassische Regelung mittels Gesetze und althergebrachter Ordnung ablöst und man bei einer Diktatur der Masse angekommen ist?
Konkreter gesagt wurde gesagt, dass der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württenberg Hans Filbinger ein “Gegner der Nazis” gewesen sei. Hans Filbinger wurde in den 70′er Jahren durch eine von der Staatssicherheit der DDR und linken Intellektuellen initierten Medienkampagne aus den Amt gedrängt. In der jetzt aufgewärmten Diskussion wurde vor allem an der Formulierung “Gegner der Nazis” Anstoß genommen. Diese Formulierung würde Filbinger in die Reihen gesellschaftlich anerkannter und oft idealisierter Widerstandskämpfer wie z.B. denen der “weißen Rose” stellen und diese würden dadurch in irgendeiner Form “entwertet” werden.
Schaut man sich Aussagen von Filbingers Zeitzeugen an, so wird schnell klar, dass solche Argumentationen Schutzbehauptungen sind, die einmal einen politischen begründeten Rufmord an einem konservativen Politiker verdecken, zum anderen drückt sich dadurch eine Unfähigkeit zur differenzierten Betrachtung aus: Schwarz/Weiß, Plus/Minus, Gut/Böse sind Polaritäten die in der Mathematik sinnvoll und mit Inhalt belegt sind. In ihrer gesellschaftlichen Anwendung verdecken oder verzerren sie jedoch Inhalt und gehen häufig im Rahmen einer Ideologie einher. Letztere wurde Filbinger nicht in der Nazizeit, sondern zu Zeiten der Bundesrepublik zum Verhängnis. Es ist und war in diesen Zeiten nämlich nur wenigen erlaubt zu definieren, wer Nazi und wer nicht Nazi ist. Diese Deutungshoheit ist Machtmittel, welches nicht aus der Hand gegeben wird, auch oder gerade weil es Tatsache ist (wäre in vernünftigen Diskussionen), dass wenn alle Deutschen wie Filbinger gewesen wären es kein 3.Reich gegeben hätte.
Gerade wenn man in der Causa Filbinger -wie ich- einen Pro-Filbinger-Standpunkt einnimmt kommt man an Kommentaren von ideologisch verhetzten Zeitgenossen nicht umher, so dass es mir deswegen als eine lustvolle Pflicht erscheint einen ausgezeichneten Artikel von Rolf Ehlers auf “Readers Edition” wiederzugeben, der einem das gibt, was in dieser Diskussion oft absichtich nicht gegeben wird: Objektivität! Vor einem Gericht hätte jeder Mensch ein Grundrecht auf eine solche, das ist ein Menschenrecht. In unserer realexistierenden Mediendemokratie, die ihre Bürger im wahrsten Sinne des Worte “unmündig” macht, indem sie ihnen ein Denken nur noch in Schlagwörtern und Polaritäten erlaubt -oder es zu lassen- ist dies jedoch nicht mehr gegeben.
Die historische Wahrheit: Der botmäßige Militärrichter Filbinger war doch (auch) ein Gegner des Hitlerregimes
von Rolf EhlersDer katholische Theologieprofessor und Publizist Karl Färber, der dem bekannten Färber- Kreis seinen Namen gab, gab am 19.7.1946 im Entnazifizierungsverfahren gegen Filbinger zu Protokoll:
“Hans Filbinger kam etwa im Jahre 1938 in unseren engeren Freundeskreis, der sich regelmäßig und häufig in unserem Hause traf. Grundsätzliche Gegnerschaft gegen das herrschende Hitlerregime war dabei selbstverständliche Voraussetzung. Alle Freunde waren ausgesprochen gläubige Christen. In dieser selbstverständlichen Gegnerschaft bewegte sich, sprach und beteiligte sich auch Hans Filbinger stets und ohne Ausnahme am Gespräch und am Urteil.” (zitiert nach: Hugo Ott, “Hans Filbinger - Der ‘Fall’ und die Fakten”, 1980, S.30).
Karl Färber wurde nach dem 20. Juli 1944 verhaftet. Der Färber-Kreis ist einer der als Freiburger Kreise bezeichneten Widerstandskreise. Er unterhielt Kontakte zu anderen Widerstandskreisen wie dem Kreisauer Kreis und dem Kreis um den Wirtschaftsliberalen Professor Oncken.
Bei Ott lässt sich auch nachlesen, was der gleichfalls dem Färber-Kreis angehörende Philosoph Professor Max Müller einen Tag vor Färber im selben Entnazifizierungsverfahren wörtlich erklärt hatte:
“An den jährlichen Fronleichnamsprozessionen in Freiburg nahm er (Filbinger) regelmäßig teil, obwohl die Teilnehmer von NSDStB [= Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund] photographiert und wenn möglich zur Rechenschaft gezogen wurden. (…) Er hat immer eindeutig erklärt, dass unter dem damals herrschenden Regime für ihn der Staatsdienst nicht in Frage käme, sondern er hier einen freien Beruf suchen müsse. Sein Bekanntenkreis setzte sich durchweg aus Nichtnationalsozialisten zusammen, worunter ich nur den bekannten Schriftsteller Reinhold Schneider nennen möchte, dem er sehr nahe stand. Seine Zugehörigkeit zur Studenten-SA habe ich immer als rein formale Notwendigkeit aufgefaßt, ohne die ihm ein weiteres Studium ja nicht möglich gewesen wäre. Von irgendeiner inneren Verbindung damit oder einer Hinneigung kann in gar keiner Hinsicht geredet werden.” (Zitiert nach Hugo Ott, S. 30f)
Max Müller gehörte ebenfalls dem Freiburger Kreis an; ihm wurde nach seiner Habilitation im Jahre 1938 die Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit an der Uni Freiburg verboten; er war verstrickt in den Aufstand der “Weißen Rose“, der u.a. 1943 zur Verhaftung und Verurteilung der Geschwister Scholl führte (Ott, S. 31).
Der Soldat Filbinger schrieb mit Feldpost vom 9.12.1941 an Reinhold Schneider:
“Ich werde eine Zeit brauchen, bis ich mich ganz von Freiburg abgelöst habe. Die Tage waren so schön u. reich gewesen, das danke ich Ihnen u. den Freunden im Kreis. In meiner Mappe trage ich „Das Vaterunser“ mit. Das wird mich jetzt oft begleiten in meiner dienstfreien Zeit. Ich bin so froh darüber, haben Sie hierfür meinen besonderen Dank.” (Feldpostbrief Filbingers vom 9.12.41 an Reinhold Schneider. Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Abgebildet bei Filbinger, 3. Auflage, S. 269).
Dieses Vaterunser, das in einer Auflage von einer halben Million Exemplaren heimlich an die Front kam, enthält eine kaum verschlüsselte Kritik am damaligen System. Es erschien im “Alsatia Verlag Kolmar im Elsaß” (ohne Jahresangabe), muss also nach der Besetzung des Elsass 1940 erschienen sein. Der Text:
„Vater unser, der Du bist im Himmel, Dein Wesen verändert sich nicht. Hier unten aber verwandelt sich alles; geliebte Vermächtnisse vergangener Zeiten werden zerstört über Nacht, die Freunde werden uns entrissen, und unversehens bricht in das letzte Tal des Friedens grenzenlose Verwirrung herein. Die Mächte der Tiefe erheben sich gegen uns und nehmen fast alle Bezirke des Lebens in Besitz; Trugbilder der Wahrheit, des Rechtes schweifen umher und ziehen uns vom Rechte und von der Wahrheit fort; Haß verfälscht das Wesen des Menschen; keiner erkennt mehr Dein Spiegelbild in der Seele des anderen, und so versteht auch keiner das Wort des Bruders mehr. Die Erde meint, sich gegen den Himmel zu erheben und ihre eigene Ordnung schaffen zu können; so werden die Beziehungen zwischen allen Wesen und Dingen verrückt; es ist keine Kraft mehr da, die sie von oben trägt. Und die Dinge der Erde suchen sich an sich selbst zu befestigen und stürzen immer tiefer. (…) Die Welt ist uns fremd geworden. Aber wir sind Deine Kinder in dieser fremden Welt und wollen uns als solche bewähren. Alles andere steht bei Dir.“
Reinhold Schneider ist die prominenteste Persönlichkeit aus dem Freiburger Kreis und hat als antifaschistischer Dichter internationales Ansehen. Ihm schreibt Filbinger am 15.11.1942, offenbar nach einem Heimaturlaub, erneut von der Front:
“Ihr neuestes Büchlein ‘Der Kreuzweg’ wurde mir am letzten Tag nach Freiburg geschickt. Ich hab’s mitgenommen; hier wird es mich mit Ihnen verbinden und mit der Tiefe jener Welt, in der wir leben wollen. Unser prächtiger Freiburger Kreis, ich bin jetzt doppelt dankbar, wo sich draußen so viel Dräuendes abzeichnet.” (Aus dem Nachlass von Reinhold Schneider. Zitiert bei Hugo Ott, S. 31 nach: Reinold Schneider - Leben und Werk in Dokumenten, Olten - Freiburg 1969, S. 137)
Gegen Reinhold Schneider erfolgte 1943 beim Reichssicherheitshauptamt Anklage wegen “Defaitismus” und noch im April 1945 Anklage wegen Hochverrat bei der Gestapo. Zum Hochverratsprozess gegen Reinhold Schneider kam es allein aus Zeitgründen wegen des Kriegsendes nicht mehr.
Fazit
Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Filbinger im Widerstandskreis um Färber, Schneider, Müller und anderen verkehrte und sich dort als grundsätzlicher Gegner des Nationalsozialismus ausgab. Man kann natürlich die Ernsthaftigkeit seiner Auftritte in diesem Kreise in Zweifel ziehen. Denn er war immerhin eingetragenes Mitglied von Parteiorganisationen und verrichtete ganz ohne Murren gegen die Oberen seine hässliche Arbeit als Militärrichter ganz nach Anweisung des Kriegsherren. Jemand, der die Zwänge kennt, in die das System damals viele Bürger brachte, wird solche Zweifel aber nicht haben. Soll er sich etwa als Agent des Regimes in Widerstandskreise eingeschlichen haben? Das ist nachgerade abwegig. Viele haben sich damals verstellt. Allein plausibel ist, dass Filbinger nicht aus der großen Zahl derjenigen herausragte, die ihre innere Ablehnung gegen vieles, was an Untaten ruchbar geworden war, hintanstellten und im System “ihre Pflicht taten.”
Immerhin vergrub Filbinger seine Ablehnung des Hitlerregimes nicht ganz in seinem Inneren, sondern diskutierte im Kreise anderer Abtrünniger darüber, die ungleich zu ihm auch Verbindungen zu weiteren Widerstandsgruppen suchten. Genau darauf hinzuweisen kam es Oettinger bei seiner Trauerrede für Filbinger an. Und genau davon musste er vor Frau Merkel bei seinem Canossagang nach Berlin abschwören. Sie wusste es keineswegs besser, wusste aber nach dem allseitigen Geschrei auf die Trauerrede für Hans Filbinger, dass es sich für unser Land einfach nicht ziemt, den Beitrag Deutscher im Krieg und gegenüber dem Hitlerregime differenziert zu betrachten. 60 Jahre nach dem Verlust des Zweiten Weltkrieges steht Deutschland noch immer unter “Bewährungsaufsicht” der Siegermächte und ihrer engsten Vertrauten. Dabei hatte Oettinger immerhin hervorgehoben, dass Filbinger trotz seiner Gegnerschaft ein gehorsamer Mitläufer und Mittäter war und seine ihm auferlegte Pflicht als Militärrichter bis hin zur Verkündung und (in einem Falle) der Vollstreckung von Todesurteilen ohne offenen Widerspruch erfüllt hatte. Auch Max Müller nahm ihm ab, dass er ohne innere Überzeugung in die Studenten-SA und die NSdAP eingetreten war, um seine Karrierechancen wahrnehmen zu können. Dass sein Wirken möglicherweise nicht nachweislich ein Leben mehr gekostet haben mag als ohnehin vernichtet wurde, lohnt nicht der Erwähnung. Ob Filbinger ein “fürchterlicher Richter” war, wie Hochhuth und viele in seinem Gefolge damals meinten, kann dahinstehen. Er diente als Richter bis zu Todesurteilen hin widerspruchslos einem schrecklichen System. Das hätte allemal reichen sollen, um ihm ein solch prominentes Amt wie das des Ministerpräsidenten eines Landes der Bundesrepublik Deutschland zu verwehren. Daher muss man Filbinger nicht loben, dass er die Laxheit gegenüber Belasteten aus der Nazi-Zeit, die in der Adenauer-Zeit auf der Tagesordnung stand, genutzt hat und trotz des Makels in seiner Vita eines der höchsten Ämter in unserer Republik anstrebte.
Nur ist es erbärmlich, dass in der öffentlichen Diskussion nicht die ganze historische Wahrheit gesagt werden darf, nämlich dass sich der nach außen botmäßige Militärrichter Filbinger lange Jahre bis zum Kriegsende hin in Widerstandskreisen bewegt hatte, in denen man seine gegenüber den Mächtigen verheimlichte innere Gegnerschaft gegen das Hitlerregime sehr wohl kannte und ihm auch abnahm. Ganz ohne Risiko waren auch diese Aktivitäten gewiss nicht. Hätte der Krieg länger gedauert und wäre das Hochverratsverfahren gegen Schneider voll betrieben worden, wäre die Gestapo auch auf seinen treuen Anhänger Filbinger gestoßen und dieser wäre zusammen mit Schneider als Widerständler erschossen worden.
Aber: Einem Mann, der noch in den letzten Kriegstagen keinen Weg fand, sich der Mitwirkung an Todesurteilen wegen “Wehrkraftzersetzung” und Fahnenflucht zu entziehen, darf man nachträglich wegen seiner verborgenen Kritik am System keine Denkmäler setzen. Dort wo er in der Politik nach dem Kriege stand, hätte er nie hin gehört. Nur der kann vom Saulus zum gefeierten Paulus werden, der offen abschwört und umlenkt. Reaktionen wie die von Frau Merkel auf die nicht in jeder Hinsicht ausgewogene Rede Oettingers sind aber weit schädlicher als die Rede selbst. Die Kanzlerin hätte sich besser über die historischen Fakten informieren lassen und dann das vertrauliche Gespräch mit dem Kollegen auf der Länderebene suchen sollen, als mit brachialer Gewalt wieder die Linientreue herzustellen. Die fehlende Aufarbeitung der historischen Fakten, die undifferenzierte pauschale Verurteilung von Filbinger und die Hetzjagd auf Filbinger nach seiner Trauerrede hinterlässt auch außerhalb Baden-Württembergs ein unangenehmes “Geschmäckle”.






Ja, die rotbraunen Ratten haben schon immer die Meinungsfreiheit fuer eigene Interessen missbraucht und fuer deren politische Gegner verboten. Ob es nun die Nazis oder die Kommunisten waren und sind. Sozi bleibt Sozi und gehirntot bleibt gehirntot. Ein Blick in europaeische oder deutsche Parlamente bestaetigt das zweifelsfrei.
Wie auch immer, Hans Filbinger war wenigstens noch ein richtiger Preusse und als solcher unmoeglich ein Sozi. Das die Sozis heutzutage versuchen, ihn als solchen zu brandmarken, gehoert zu deren Standardrepertoire. Immer schoen leugnen, dass man selbst eine rotbraune Ratte ist; das haben die von den Trotzkisten uebernommen.
Mit Hans Filbinger starb ein Symbol deutscher Tugenden, wie Ehre und Pflichtbewusstsein. Diese Tugenden haben Deutsche weltweit beruehmt und beliebt gemacht. Leider haben die rotbraunen Ratten das Ansehen der Deutschen schwer beschaedigt und auch heute lassen diese gehirntoten Schwachkoepfe keine Gelegenheit aus, die Zerstoerung der deutschen Tugenden voranzutreiben. Wenn also ein Deutscher im Ausland schief angeschaut wird, dann muss man sich nicht wundern.
Hans Filbinger ist jedenfalls als ein grosser Deutscher in die Geschichte eingegangen. Moege er in Frieden ruhen und in unseren Herzen weiterleben.
Comment by Blog-Kommentar — May 3, 2007 @ on May 3, 2007 at 10:12 pm.