Auf der Alm da gibt’s koa Sünd
Die Bayern schlagen wieder zu: Tobias Lill bemerkt in “Spiegel Online”: Der Gesetzesentwurf der bayerischen Staatsregierung zur “Verbesserung des Jugendschutzes” dürfte für heftige Diskussionen sorgen: Das bayerische Sozialministerium baute darin - von der Öffentlichkeit bislang unbemerkt - ein Verleih-Verbot für indizierte Filme und Computerspiele ein. […] Als Folge müssten die Videotheken neben Horror-Filmen wie “Freitag der 13.” oder “Freddie Krüger 2″ auch sämtliche Pornofilme aus ihrem Sortiment verbannen.
Man muß es klar sehen, unter dem Vorwand des Jugendschutzes läßt sich prinzipiell alles verbieten. Einmal, wie wir es hier gerade erleben bei Spielen mit spielerischer Gewalt, Pornographie und Horrorfilmen mit der Begründung, dass eine Freigabe dieser Dinge nur für Erwachsene nicht ausreichend ist einen vollständigen Jugendschutz zu gewährleisten. Zum anderen kann man so auch bei beliebigen Dingen verfahren: Alkohol, generelles Tempolimit, Tabakkonsum, Internetgebrauch und sicher auch solchen, die einem jetzt nicht gleich einfallen.
Der politische Taschenspielertrick ist es eine 100%-igen Schutz anstreben zu wollen, und diesem die Freiheitsrechte des Erwachsenen zu opfern. Es ist dabei aber merkwürdig, dass sie es wahrscheinlich noch nicht einmal selbst merken, dass hiermit alle erwachsenen Bayern auf das zu behütende Niveau eines kleinen Kindes degradiert werden. Zu sehr ist man darauf fixiert einen 100%-igen Schutz als das gesellschaftliches Ideal zu akzeptieren, Freiheit selber aber notwendigerweise um existieren zu können die Chance eines Fehlers und des Irrtums haben muß.
Ebenfalls bedenklich ist es, dass hinter diesen Bestrebungen ein hinterfragenswüdiges Wertesystem steckt. Kennzeichen dieses Wertesystem ist es, dass es stark idealisiert und eigentlich Werte darstellt, die man selbst gerne hätte und auch gerne bei anderen einfordert.
Eine von Pornographie oder spielerischer Gewalt freie Welt stellt sicher für viele die anzustrebene heile Welt dar. Keinem will eigentlich bewußt werden, dass diese vermeintlich heile Welt ein Rückschritt in die bigotten 60′er Jahre der Bundesrepublik darstellt in der Pornographie und eben diese spielerische Gewalt per se als etwas schlechtes gesehen wurden, psychologisch aber nur Bilder der eigenen sexuellen Verklemmtheit oder der unterdrückten Aggression sind, die mit aller Vehemenz am anderen mit besonderer Deutlichkeit gespürt und bekämpft werden.
Aus diesem gesellschaftlichen Anspruch auf 100%-iger Sicherheit ein als gesellschaftlich erwünschtes dargestelltes Verhalten einfordern zu dürfen ergäbe sich zwangsläufig eine Belästigung und Gängelung des einzelnen durch die Masse. Als Beispiel hierzu anzuführende Fälle wäre die tagespolitisch aktuelle Kriminalisierung von Rauchern, Temposündern, Eltern oder solchen, die keine sein wollen. Die Aufzählung hier kann auch wieder beliebig erweitert werden, dieses ist Hauptaufgabe der politischen Arbeit in der BRD.
Das Individum wird Sklave der Gesellschaft jeden Tag ein Stückchen mehr, einfach weil niemand mehr die Frage stellt: Warum sollten andere über mein Leben entscheiden dürfen? Begriffe oder Tatsachen wie Volljährigkeit verlieren so immer mehr ihre ursprüngliche Bedeutung und verkommen zu leeren Phrasen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!





