Warum eine Ampelkoalition auf Bundesebene Käse ist
Immer wenn es in der großen Koalition zu Schwierigkeiten kommt, wie jetzt aktuell im Falle der Gesundheitsreform, kommen Spekulationen über einen Wechsel der Koaltion auf.
Der Wechsel der Liberalen in den Linken Block wird da immer insgeheim vorausgesetzt, wie aber jetzt auch Bestrebungen einzelner Parteifunktionäre der FDP signalisieren. Warum eine Ampel und ein neuer Kanzler Kurt Beck für die FDP als Partei* ein Bärendienst ist, versuche ich darzulegen.
1) Glaubwürdigkeitsverlust: Die FDP befand sich gegen Ende der Regierungszeit Kohl lange in einem Tal der Bedeutungslosigkeit, man sprach von der “Dame ohne Unterleib”, gemeint war, dass die FDP zwar auf Bundesebene noch ein paar Minister stellte, jedoch auf Landesebene beinah bedeutungslos war. Es war die Zeit, wo man an Wahlabenden immer gespannt sein dürfte, ob die FDP denn überhaupt den Einzug in ein Landesparlament geschafft hätte oder nicht. Nach dem Ende der Schwarz-Gelben Koaltion im Bund war dann die FDP beinah bedeutungslos. Das alles hat sich nun geändert, ein Blick auf die Stimmanteile im Bundesrat zeigt dies und sollte vor jeder Entscheidung im Bund gewagt werden.
Ich sage, dass die FDP durch eine Mittäterschaft an weiteren sozialdemokratischen Verbrechen in Deutschland die Menschen entäuscht, die eben nicht “linksliberal” sind und von der Politik Taten statt Worte erwarten, dass diese Menschen sich entäuscht von der FDP abwenden werden und es dadurch zu einem Einflußverfluß für den Liberalismus in Deutschland kommen wird, Schritt für Schritt von einer Landtagswahl zur nächsten.
2) Ampelkoalition ohne Wirkungskraft: Es mag sich toll anhören, wenn eine Partei vielleicht den Wirtschaftsminister stellt oder den einen oder anderen Posten bekleidet. Das Streben nach solchen Posten ist aber kaum mehr als Haschen nach Wind, wenn die politischen Kräfteverteilungen in Deutschland zwar rechnerisch im Bundestag parteipolitische Wechselspielchen erlauben, diese jedoch dann gegen die Mehrheit des Bundesrates regieren müssen. Eine Gesetzesinitiative von Rot/Gelb/Grün gegen Tiefrot und Schwarz hätte gerade mal 4 von 69 Stimmen von rein SPD-geführten Ländern**.
Fazit:: Letztlich hilft so eine Koalition den Politikern, denen es nur darauf ankommt Kanzler zu werden und diesem Gefolge angehören zu dürfen. Mangels politischer Mehrheiten auf Länderebene und auch gesellschaftlich * würde so eine Übereinkunft sicher die persönlichen Karrieren mancher einen krönenden Abschluß verschaffen, durch eine Schwächung der liberalen Position auf Landesebene jedoch der Sache mehr Schaden bereiten als mit diesen Leuten zusammen durchgesetzt werden dürfte.
Die weit bessere Alternative wäre eine Jamaika-Koalition, deren Stimmanteil im Bundesrat auf 49 von 69 Stimmen käme. Man hätte so die reele Chance Gesetzespakete relativ unbeschadet durch die Legislative zu bringen und genau das ist die breite gesellschaftliche Zustimmung, die man braucht um Deutschland reformieren zu wollen.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
- Ich meine jetzt nicht den einen oder anderen, der sich persönliche Chancen bei einer Regierungsbeteiligung ausrechnet. * Da stellt es auch keine strategische Weichenstellung von Klaus Wowereit in Berlin dar, einfach mal so seinen alten Koaltionspartner vor die Tür zu setzten, um den Grünen wenigstens ein wenig langespolitischen Glanz zu verschaffen. ** Man kann der Ampel vielleicht eine besseres Diskussionsniveau als einer großen Koalition unterstellen, gesellschaftliche Lösungen werden aber auch dort mehr als heute politischer Kompromiss sein müssen.






Schade!
Da begann die FDP in letzter Zeit für mich eine echte Alternative (i.S. der Partei mit den geringsten Übeln und den meisten goodies) zu werden - … aber damit ist jetzt “tuk!”.
Eine rechtsliberale Partei in Deutschland würde ich sehr begrüßen, auch wenn den meisten das Konzept eines “liberalen Denken mit konservativer Wertsetzung” (als Arbeitstitel) wahrscheinlich nicht verständlich zu machen sein dürfte.
Comment by Wilhelm — September 24, 2006 @ on September 24, 2006 at 8:43 am.
Keine Panik, bei solchen Spielchen ist es auch häufig Intention sich wieder ins Gespräch zu bringen. Wirklich dumm von den FDP-Funktionären ist es nur, sich nicht mit den Grünen (vor allem) einigen zu wollen, was in einer Gelb/Grün/X-Koaltionen überhaupt durchgedrückt werden soll. Wenn man sich da einig ist, dann kann man nicht von SPD oder CDU gegeneinander ausgespielt werden, weil so natürlich Gelb/Grün polarisieren könnte und dann die Volkspartei als “Mittler” fungieren würde, also diese Koalition wieder sozialdemokratischer wäre, als es von außen aussehen würde. Es zeigt sich eigentlich sehr schön an der Reaktionen (auch Deiner und anderer), dass diese Option für die FDP einfach nicht akzeptabel sein kann, da sie vollständig ihre Glaubwürdigkeit verlieren würde, mit ihr ihren Parteivorsitzenden (=>wer soll denn überhaupt seinen Platz einehmen wollen, ein medienpolitischer Niemand oder etwa einer von der alten Garde?) und letztlich ihre machtpolitische Basis, die in den durch die Bank guten (relativ für die FDP) Landesergebnissen besteht.
Eine rechtsliberale Partei wie in anderen Ländern Europas wird es meiner Einschätzung in Deutschland nicht so schnell geben. Du mußt beachten, dass die einfach nur wirtschaftsliberale FDP schon in den Augen mancher “rechtsliberal” sein soll, wobei diese nur zu gerne mit dem Präfix “Rechts” einfach nur Wortmalerei betreiben, um den politischen Gegner zu diffamieren. Nach meinem Verständnis ist aber Liberalität (nicht zu verstehen als Beliebigkeit) ein bürgerlicher Grundwert und eben kein sozialistischer. Ein “liberales Denken mit konservativer Wertsetztung” ist für viele vollkommen normal, wir werden aber durch eine überrepräsente Medienindustrie versucht dieses als nicht normal oder als zu normal zu sehen. Gesellschaftliche Veränderungen kommen dann nicht durch Parteien, sondern durch mediales Bewußtsein. Dieses zu schaffen, daran haben wir alle hier unseren bescheidenen Anteil…
Comment by geisteswelt — September 24, 2006 @ on September 24, 2006 at 2:23 pm.